Psychische Gefährdungsbeurteilung

Psychische Belastungen erkennen. Arbeitsbedingungen verbessern. Gesundheit nachhaltig fördern.

Wenn der Sommer immer heißer wird

Stell dir einen heißen Sommertag vor.

Die Sonne brennt. Die Luft steht. Du arbeitest draußen und merkst, dass dein Körper langsam an seine Grenzen kommt.

Was passiert?

Du suchst Schatten. Trinkst etwas. Machst eine Pause. Vielleicht veränderst du deinen Arbeitsablauf oder verschiebst eine Tätigkeit in die kühleren Morgenstunden.

Niemand würde auf die Idee kommen, einfach zu sagen: „Du musst dich besser zusammenreißen.“

Wir betrachten die Umwelt-Bedingungen und überlegen:

Was können wir verändern, damit die Arbeit unter diesen Hitze-Bedingungen gesund möglich bleibt?

Genau diese Perspektive brauchen wir auch bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz.



Was schützt vor unsichtbarer Belastung?

Sicherheitsschuhe schützen Füße.

Ein höhenverstellbarer Schreibtisch unterstützt ergonomisches Arbeiten.

Gehörschutz schützt vor Lärm.

Und Sonnenschutz reduziert die Belastung durch Hitze und UV-Strahlung.

Doch was schützt Mitarbeitende vor dauerhaftem Zeitdruck, ständigen Unterbrechungen, Konflikten, unklaren Zuständigkeiten oder belastendem Führungsverhalten?


Diese Belastungen sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.

Sie entstehen häufig schleichend.

Eine E-Mail nach Feierabend.

Noch eine dringende Aufgabe.

Ein Gehaltsgespräch, das immer wieder verschoben wird.

Unklare Verantwortlichkeiten.

Zu wenig Personal.

Ständige Unterbrechungen.

Ein Team, in dem Konflikte ungelöst bleiben.

Eine Führungskraft, die selbst unter hohem Druck steht.

Ein einzelner Faktor muss dabei noch kein Problem sein. Entscheidend kann sein, wie Belastungen zusammenwirken, wie stark sie ausgeprägt sind und wie lange sie bereits bestehen.



Genau hier setzt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen an.

Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz sind psychische Belastungen bei der Arbeit ausdrücklich Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgeber müssen die Arbeitsbedingungen beurteilen, erforderliche Schutzmaßnahmen ableiten und die Ergebnisse dokumentieren. Dabei geht es nicht darum, herauszufinden:


„Wer ist zu gestresst?“

Sondern:


„Welche Bedingungen der Arbeit können Menschen belasten – und was können wir daran verändern?“


Denn Menschen sind keine Maschinen.

Ein Computer zeigt an, wenn der Speicher voll ist.

Eine Maschine schaltet sich ab, wenn sie überhitzt.

Ein Auto meldet, wenn der Tank leer ist.

Menschen funktionieren oft noch lange weiter.

Sie erscheinen zur Arbeit.

Erledigen ihre Aufgaben.

Beantworten E-Mails.

Führen Gespräche.

Übernehmen Verantwortung.

Und manchmal merkt das Umfeld erst spät, dass die Belastung längst zu hoch geworden ist.

Deshalb ist es sinnvoll, nicht erst dann hinzusehen, wenn Menschen ausfallen.

Sondern bereits vorher die Arbeitsbedingungen zu betrachten.



Was kann psychisch belasten?

Psychische Belastung kann beispielsweise entstehen durch:


Arbeitsintensität

Dauerhafter Zeitdruck, hohe Arbeitsmengen, Personalmangel oder ständige Unterbrechungen.


Arbeitsorganisation

Unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Anforderungen, fehlende Prioritäten oder ungünstige Arbeitsabläufe.


Arbeitszeit

Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten, Rufbereitschaft oder digitale Erreichbarkeit.


Kommunikation

Informationsflut, fehlendes Feedback, Missverständnisse oder mangelnde Transparenz.


Führung

Unklare Erwartungen, rauer Tonfall, fehlende Unterstützung, geringe Bezahlung, Beteiligung oder belastende Führungssituationen.


Soziale Beziehungen

Konflikte im Team, fehlende Zusammenarbeit oder schwierige Beziehungen zwischen Abteilungen.


Emotionale Anforderungen

Der Umgang mit Bürgern, Kunden, Patienten, Klienten, Großraumbüros oder Menschen in belastenden Lebenssituationen.


Veränderung

Umstrukturierungen, Digitalisierung, neue Prozesse, neue Technologien und zunehmender Veränderungsdruck.


Kita, Kindertagespflege, OGTS

  • hoher Geräuschpegel und dauerhaft hohe Reizdichte
  • große Verantwortung für Sicherheit und Entwicklung der Kinder
  • Personalmangel und kurzfristige Ausfälle
  • hohe emotionale Anforderungen
  • herausfordernde Verhaltensweisen einzelner Kinder
  • Elterngespräche und Konflikte mit Eltern
  • Dokumentations- und Organisationsaufwand
  • häufige Unterbrechungen
  • körperliche Belastung durch Heben, Tragen, Sitzen auf dem Boden
  • geringe Erholungs- und Rückzugsmöglichkeiten


Die DGUV nennt gerade für Kitas emotionale Arbeit mit Kindern & Eltern, Stress, Überforderung & emotionale Erschöpfung als relevante Belastungen.


Schule & Unterricht

  • große und heterogene Klassen
  • Lärm und hohe Reizdichte
  • herausfordernde Elternkommunikation
  • Sprachvielfalt 
  • fehlende Rückzugsmöglichkeiten
  • gleichzeitige Anforderungen und häufige Unterbrechungen
  • Zeit- und Leistungsdruck
  • Unterricht + Korrekturen + Dokumentation + Konferenzen + Elternarbeit
  • zunehmende administrative Aufgaben
  • herausforderndes verhaltensoriginelles Schülerverhalten
  • Konflikte, Mobbing, Drohungen und Gewalt
  • emotionale Anforderungen
  • Inklusion und unterschiedliche Förderbedarfe
  • Digitalisierung und neue Technologien/KI
  • ständig neue pädagogische und organisatorische Anforderungen
  • fehlende oder ausfallende Pausen
  • Neurodiversität und inklusive Lernsettings
  • Sprachbarrieren und diverse kulturelle Hintergründe
  • Schwierigkeiten beim Abschalten nach der Arbeit



Warum ergonomische Maßnahmen allein nicht ausreichen

Ein Unternehmen kann moderne Arbeitsplätze schaffen.

Ergonomische Stühle bereitstellen.

Höhenverstellbare Schreibtische anschaffen.

Sicherheitsschuhe finanzieren.

Und trotzdem können Mitarbeitende dauerhaft hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sein.

Arbeitsschutz endet deshalb nicht beim sichtbaren Arbeitsplatz.

Er umfasst auch die Frage:

Wie ist die Arbeit organisiert?

Denn manchmal ist nicht der Schreibtisch das Problem.

Sondern das, was an diesem Schreibtisch passiert.



Eine GBU psychischer Belastung schaut deshalb genauer hin.

Nicht auf einzelne „Problem-Mitarbeitende“.

Nicht auf Diagnosen.

Nicht auf die Frage, wer „schuld“ ist.

Sondern auf die Arbeitsbedingungen.

Gemeinsam betrachten wir beispielsweise:

Arbeitsaufgaben · Arbeitsorganisation · Arbeitszeit · soziale Beziehungen · Führung · Kommunikation · Arbeitsumgebung · Veränderungsprozesse

Dabei werden Belastungsschwerpunkte sichtbar und konkrete Handlungsfelder können abgeleitet werden.



Von der Erkenntnis zur Veränderung

Eine Gefährdungsbeurteilung sollte nicht mit einem Fragebogen enden.

Sie sollte dort beginnen, wo Veränderung möglich wird.

01 · Hinschauen

Welche Arbeitsbedingungen können psychisch belasten?


02 · Verstehen

Wo liegen Ursachen und Zusammenhänge?


03 · Priorisieren

Welche Handlungsfelder brauchen Aufmerksamkeit?


04 · Verändern

Welche Maßnahmen können die Arbeitsbedingungen verbessern?


05 · Wirksamkeit prüfen

Was hat sich verändert – und wo besteht weiterer Handlungsbedarf?



Gesundheit entsteht nicht erst in der Pause.

Sie entsteht auch durch die Art, wie Arbeit gestaltet ist.

Eine achtsame Pause kann helfen.

Bewegung kann helfen.

Resilienz kann helfen.

Aber Gesundheitsförderung darf nicht dazu führen, dass ausschließlich die Mitarbeitenden lernen sollen, mit dauerhaft ungünstigen Arbeitsbedingungen besser zurechtzukommen.

Deshalb gehören für mich Verhältnisprävention und Verhaltensprävention zusammen.

Wir schauen auf die Arbeitsbedingungen.

Und wir stärken gleichzeitig die Menschen, die darin arbeiten.



Mein Ansatz

Als Psychologin B.Sc. (FH) und systemische Business Coachin verbinde ich psychologisches Wissen mit einem Blick auf Organisation, Führung und den konkreten Arbeitsalltag.

Mein Ziel ist nicht, möglichst viele Probleme zu benennen.

Mein Ziel ist, gemeinsam herauszufinden, wo Veränderung sinnvoll und möglich ist.


Denn genauso wie wir bei großer Hitze nicht den Menschen vorwerfen, dass ihnen warm ist, sollten wir bei psychischen Belastungen nicht vorschnell fragen:
„Was stimmt mit dem Mitarbeitenden nicht?“

Manchmal ist die wichtigere Frage:

„Was stimmt an den Arbeitsbedingungen noch nicht?“

Du möchtest wissen, wie eine GBU psychischer Belastung in deiner Organisation aussehen kann?

Lass uns darüber sprechen.

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GBU anfragen

Psychologin B.Sc. (FH) Kerstin Zeise

Am Ruhstein 27 c

90562 Heroldsberg I Nürnberg

Tel.: 0170 - 354 49 16

E-Mail: info@kerstin-zeise.de