Pythagoras kann warten. Der Bürger am Telefon leider nicht.
Was Azubis in der Schule lernen & was ihnen niemand für den ersten Arbeitstag erklärt
September.
Das neue Schuljahr startet. Neue Stundenpläne, neue Klassen, neue Lehrer:innen – und jede Menge neuer Stoff. In Biologie geht es um den menschlichen Körper. In Mathe um den Satz des Pythagoras. In Englisch um Grammatik, Vokabeln, globale Wirtschaft und Shakespeare. To be or not to be.
Und dann kommt irgendwann der erste Tag in der Ausbildung.
Und plötzlich lautet die Frage:
„Wie begrüße ich eigentlich meine neue Chefin?“
Tja.
To be or not to be – geduzt?
Willkommen im Berufsleben. 😎
„Das weiß man doch!“
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Denn woher soll ein 16-, 17- oder 19-jähriger Mensch wissen, ob man im Büro zuerst allen die Hand gibt? Ob man eine E-Mail mit „Hi“ beginnt?
Wann aus „Du“ plötzlich „Sie“ wird?
Was man für Kleidung anzieht, wenn im Kalender „wichtiger Kundentermin“ steht?
Wie man ans Telefon geht?
Und wie moderiert man eigentlich ein Telefonat, wenn am anderen Ende nach 20 Minuten Warteschleife jemand so richtig schlechte Laune hat? „Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“
Oder innerlich eher:
„Hilfe. Wie kann ich Ihnen helfen?“ 😂
Genau hier kommt Business Knigge ins Spiel.
Business Knigge ist mehr als ein Benimmkurs für Tischsitten in der Kantine.
Gabel links, Messer rechts am Tisch.
Business Knigge bedeutet für mich:
Wie bewege ich mich sicher und souverän durch meinen Berufsalltag?
Wie trete ich auf?
Wie kommuniziere ich mit diversen Personalitys und Charakteren?
Wie wirke ich?
Wie verhalte ich mich gegenüber Kolleg, Vorgesetzten, Kund:innen oder Bürger:innen?
Und wie bleibe ich dabei trotzdem ich selbst?
Denn professionell zu sein bedeutet nicht, plötzlich eine andere Persönlichkeit anzuziehen. Es bedeutet zu wissen, was in welcher Situation stimmig ist.
Die kleinen Dinge machen den Unterschied
Ein „Guten Morgen“ statt eines wortlosen Vorbeilaufens.
Augenkontakt statt Blick auf den Bildschirm oder auf den Boden im Büroflur.
Eine verständliche E-Mail statt:
„Hi, anbei.“
Ein vernünftiges Telefonat statt:
„Äh … wer sind Sie nochmal?“
Und bei einem schwierigen Gespräch:
ruhig bleiben, zuhören und nicht gleich innerlich kündigen.
Das sind keine komplizierten Geheimnisse.
Aber es sind Dinge, die man üben kann.
Und genau das machen wir im Business-Knigge-Seminar.
Wir sprechen über die Situationen, die im Ausbildungsalltag wirklich vorkommen:
👋 Begrüßen & Vorstellen
Wer zuerst? Hand geben? Name merken? Und was, wenn man ihn schon nach drei Sekunden wieder vergessen hat?
🙋 Du oder Sie?
Eine kleine Frage mit erstaunlich großem Stresspotenzial.
📞 Telefonieren
Professionell, freundlich und klar – auch wenn der Anruf nicht gerade nach Lieblingskunde klingt.
✉️ E-Mail & digitale Kommunikation
Zwischen „Hi“ und „Sehr geehrte Damen und Herren“ liegt eine ziemlich große Welt.
👔 Auftreten & Dresscode
Was passt wann? Und wie professionell darf Persönlichkeit eigentlich aussehen?
🗣 Kommunikation & Wirkung
Wie komme ich bei anderen an – und wie möchte ich eigentlich wirken?
🍽 Business-Knigge beim gemeinsamen Essen
Denn spätestens beim Geschäftsessen merkt man: Irgendwie wäre ein kleiner Knigge-Check doch ganz praktisch.
Mein Lieblingssatz als Azubi-Versteherin aus solchen Seminaren?
„Ach SO ist das gemeint!“
Genau dafür sind meine Seminare da.
Nicht, um jungen Menschen beizubringen, wie sie sich „richtig“ benehmen.
Sondern ihnen psychologische Sicherheit zu geben.
Denn wer weiß, was in einer Situation erwartet wird, kann viel entspannter seine Persönlichkeit zeigen.
Und plötzlich wird aus:
„Oh Gott, was mache ich jetzt?“
ein ziemlich souveränes:
„Alles klar. Das kriege ich hin.“
Schule fürs Leben? Ja. Aber bitte mit Humor.
Ich bin die Azubi-Versteherin.
Als Trainerin und systemische Business Coachin verbinde ich sechs Jahre Selbstständigkeit mit meiner Erfahrung aus der Arbeit mit Nachwuchskräften im öffentlichen Dienst und Unternehmen.
Ich schaue dabei nicht nur auf Benimmregeln.
Ich schaue auf Menschen.
Auf Unsicherheit.
Auf Erwartungen.
Auf Kommunikation.
Auf unterschiedliche Generationen.
Auf die Frage, warum sich ein Azubi oder Studi manchmal ganz anders verhält, als eine Ausbilderin es erwartet.
Und auf die Frage:
Wie schaffen wir es, dass junge Menschen professionell werden, ohne dass sie dabei ihre Persönlichkeit verlieren?
Darüber darf man übrigens auch lachen.
Sehr gerne sogar.
Denn wenn sich beim Lernen der Bauch vor Lachen biegt, bleibt manchmal erstaunlich viel hängen. 😉
Good People. Good Communication. Good Vibes.
Business Knigge für Azubis, dual Studierende und Beamtenanwärter.
Praxisnah. Persönlich. Direkt anwendbar.
Für Stadtverwaltungen, Stadtwerke, Bauhöfe, soziale Einrichtungen und andere Arbeitgeber, die ihren Nachwuchskräften mehr mitgeben möchten als nur den Ausbildungsplan.
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5 Rede-Hacks: Frei sprechen trotz Lampenfieber & Nervosität
Du kennst diesen Moment vielleicht. Du sitzt in einem Meeting oder stehst in der Gemeinderatssitzung. Eigentlich hast du etwas zu sagen. Vielleicht sogar eine richtig gute Idee. Dann sagt jemand: „Was meinst du dazu?“ Und plötzlich ist da nichts mehr. Dein Herz hüpft, dein Mund wird trocken, deine Hände kribbeln. Du merkst, wie alle dich anschauen oder du glaubst zumindest, dass sie dich anschauen. In deinem Kopf läuft nur noch ein Satz: „Bitte sag jetzt nichts Peinliches.“
Und dieser Satz macht das Sprechen noch schwerer.
Vielleicht passiert dir das bei einer Präsentation.
Beim Telefonieren. In einem Bewerbungsgespräch.
Wenn du dich in einer Gruppe vorstellen sollst.
Beim Small Talk mit fremden Menschen.
Oder sogar dann, wenn du nur kurz deinen Namen sagen sollst.
Du bist damit nicht allein.
Und vor allem:
Mit dir ist nicht einfach „etwas falsch“.
Lampenfieber, starke Nervosität und soziale Unsicherheit haben Gründe. Sie entstehen nicht, weil jemand zu schwach, zu still oder „nicht gemacht für Menschen“ ist. Sie sind oft das Ergebnis von frühkindlichen Erfahrungen, Prägungen, Gewohnheiten und einem Nervensystem, das gelernt hat: „Achtung. Diese Situation könnte gefährlich sein.“ Auch wenn objektiv gar keine Gefahr besteht.
Die Frau mit der roten Frisur
Stell dir vor, du betrittst einen Raum voller fremder Menschen.
Vielleicht fällt dir sofort jemand auf.
Eine Frau mit einer auffälligen roten Frisur.
Ein älterer Mann mit einem ungewöhnlichen Anzug.
Ein junger Mensch mit Tattoos im Gesicht.
Jemand schaut dich nicht freundlich an.
Oder zumindest denkst du das.
Und sofort beginnt dein Kopf zu arbeiten:
„Warum schaut die mich so an?“
„Findet die mich komisch?“
„Habe ich etwas Falsches an?“
„Was, wenn ich gleich etwas Dummes sage?“
Aber hier kommt ein wichtiger Gedanke:
Du weißt nicht, was im Kopf dieser Person passiert.
Vielleicht ist sie müde.
Vielleicht hat sie gerade schlechte Nachrichten bekommen.
Vielleicht konzentriert sie sich.
Vielleicht denkt sie über ihr eigenes Problem nach.
Vielleicht ist sie selbst nervös.
Wir Menschen sind erstaunlich gut darin, Lücken mit Geschichten zu füllen.
Das Problem ist nur:
Bei Nervosität sind diese Geschichten oft nicht besonders freundlich.
Wir interpretieren einen Blick als Kritik.
Eine Sprech-Pause als Ablehnung.
Ein Gähnen als Langeweile.
Ein Stirnrunzeln als Angriff.
Und irgendwann reden wir nicht mehr nur gegen andere Menschen an.
Wir reden gegen einen ganzen Film in unserem eigenen Kopf.
Warum Lampenfieber überhaupt entsteht
Lampenfieber ist nicht dein Feind.
Das klingt vielleicht erst einmal seltsam.
Denn dein Körper versucht eigentlich, dir zu helfen.
Wenn etwas wichtig ist, steigt die körperliche Aktivierung.
Dein Herz schlägt schneller.
Du atmest flacher.
Deine Muskeln spannen sich an.
Du bist wacher.
Dein Körper bereitet sich auf Leistung vor.
Das Problem entsteht häufig erst dann, wenn dein Gehirn diese Aktivierung als Katastrophe bewertet.
„Oh nein, mein Herz rast.“
Dann folgt:
„Alle werden es merken.“
Dann:
„Ich verliere gleich die Kontrolle.“
Und plötzlich wird aus normaler Anspannung eine Spirale.
Nicht nur die Situation macht Angst.
Sondern die Angst vor der Angst.
Das ist einer der wichtigsten Punkte, wenn du freier sprechen möchtest:
Du brauchst nicht warten, bis du keine Nervosität mehr spürst.
Du kannst lernen, trotz Nervosität zu sprechen.
Das Ziel ist nicht, ein emotionsloser Roboter zu werden.
Das Ziel ist: „Ich bin nervös und kann trotzdem reden.“
Viele Sprechängste beginnen viel früher, als wir denken
Ein Kind steht in der Schule.
Es soll etwas vorlesen.
Es verhaspelt sich.
Ein paar Kinder lachen.
Vielleicht sagt jemand:
„Das war aber falsch.“
Vielleicht rollt ein Erwachsener genervt mit den Augen.
Vielleicht passiert objektiv gar nichts Schlimmes.
Aber das Kind empfindet die Situation als schlimm.
Und manchmal reicht eine einzige unangenehme Erfahrung nicht aus, um dauerhaft Angst zu entwickeln.
Aber viele kleine Erfahrungen können sich sammeln.
„Meld dich nicht so oft.“
„Sprich lauter.“
„Was redest du denn da?“
„Das war peinlich.“
„Du bist aber still.“
„Du musst selbstbewusster sein.“
Irgendwann entsteht eine Gewohnheit:
Lieber nichts sagen, dann kann auch nichts passieren.
Kurzfristig fühlt sich das gut an.
Du meldest dich nicht.
Du musst nicht präsentieren.
Du lässt den anderen den Anruf machen.
Du sagst das Treffen ab.
Du vermeidest den Small Talk.
Und dein Körper entspannt sich.
Das Problem:
Dein Gehirn lernt dadurch möglicherweise:
„Gut, dass wir das vermieden haben. Es muss wirklich gefährlich gewesen sein.“
Und beim nächsten Mal wird die Angst oft nicht kleiner.
Sondern größer.
Vermeidung fühlt sich gut an – aber sie kann dich langfristig kleiner machen
Stell dir zwei Wege vor.
Der erste Weg heißt:
Vermeiden.
Du gehst nicht zur Veranstaltung.
Du stellst keine Frage.
Du hältst keine Präsentation.
Du telefonierst nicht.
Du hoffst, dass dich niemand anspricht.
Der zweite Weg heißt:
Üben.
Nicht sofort vor 500 Menschen.
Sondern vielleicht heute mit einer Person.
Morgen mit zwei.
Dann mit einer kleinen Gruppe.
Dann mit einer Frage im Meeting.
Das ist der entscheidende Unterschied.
Du musst nicht mutig genug für die größte Bühne sein.
Du brauchst nur den nächsten machbaren Schritt.
Der Fehler, den viele machen
Viele Menschen sagen:
„Ich übe erst, wenn ich mich bereit fühle.“
Aber Sicherheit entsteht selten durch Warten.
Sie entsteht durch Erfahrungen.
Du fühlst dich nicht sicher und dann sprichst du.
Oft sprichst du ein bisschen – und wirst dadurch langsam sicherer.
Der 1-Prozent-Hack: Jeden Tag eine kleine soziale Herausforderung
Du brauchst dein Leben nicht komplett verändern.
Mach es kleiner.
So klein, dass du fast denkst:
„Das ist doch lächerlich.“
Perfekt.
Genau dort kannst du anfangen.
Vielleicht ist deine Aufgabe heute:
- Dem Nachbarn zuerst „Hallo“ sagen.
- Im Café eine Frage stellen.
- Eine Kollegin etwas fragen, das du sonst gegoogelt hättest.
- Am Telefon selbst deinen Namen sagen, statt jemand anderen sprechen zu lassen.
- Im Meeting einen einzigen Satz sagen.
- Einer fremden Person ein ehrliches Kompliment machen.
- Nach dem Weg fragen, obwohl du dein Handy benutzen könntest.
Es geht hier noch nicht darum, besonders charmant zu sein.
Es geht darum, deinem Gehirn neue Erfahrungen zu geben.
„Ich habe gesprochen.“
„Ich war nervös.“
„Und nichts Schreckliches ist passiert.“
Diese Erfahrungen sind Gold wert.
Du musst nicht jeden Menschen mögen und nicht jeder muss dich mögen
Das kann unglaublich befreiend sein.
Vielleicht sitzt bei deiner Präsentation jemand, der dich nicht sympathisch findet.
Vielleicht mag jemand deine Stimme nicht.
Deine Frisur nicht.
Dein Alter nicht.
Deine Kleidung nicht.
Deinen Akzent nicht.
Oder einfach deine Art.
Das kann passieren.
Und weißt du was?
Das ist nicht deine Aufgabe zu kontrollieren.
Wenn du versuchst, von jedem Menschen gemocht zu werden, wirst du beim Sprechen ständig einen unsichtbaren Test schreiben.
Du beobachtest dann jedes Gesicht.
„Lächelt sie?“
„Schreibt er gerade etwas auf?“
„Warum schaut der auf sein Handy?“
Aber du bist nicht auf einer Bühne, um Gedanken zu lesen.
Du bist dort, um etwas zu sagen.
Ein hilfreicher Perspektivwechsel lautet:
„Ich bin nicht hier, um perfekt bewertet zu werden.
Ich bin hier, um einen Gedanken weiterzugeben.“
Das nimmt Druck heraus.
Hack Nummer 1: Hör auf, „gut rüberkommen“ zu wollen
Das klingt erst einmal widersprüchlich.
Aber je mehr du versuchst, perfekt zu wirken, desto stärker kontrollierst du dich.
Dann beobachtest du dich beim Sprechen.
„Wie stehe ich?“
„Wie klingt meine Stimme?“
„War das gerade komisch?“
„Oh nein, jetzt werde ich rot.“
Deine Aufmerksamkeit wandert nach innen.
Und genau dort beginnt häufig das Problem.
Versuche stattdessen, deine Aufmerksamkeit nach außen zu lenken.
Frage dich:
Was möchte ich dieser Person geben?
Eine Information?
Eine Idee?
Eine Geschichte?
Eine Lösung?
Einen hilfreichen Gedanken?
Wenn du vor zehn Menschen sprichst, denke nicht:
„Zehn Menschen bewerten mich.“
Denke:
„Ich spreche gerade mit Menschen über ein Thema, das wichtig sein könnte.“
Hack Nummer 2: Der erste Satz muss nicht perfekt sein
Viele Menschen verlieren sich schon vor dem ersten Satz.
Sie suchen nach dem perfekten Einstieg.
Das perfekte Wort.
Der perfekten Stimme.
Der perfekten Haltung.
Und dadurch wird der Start immer größer und bedrohlicher.
Mach es einfacher.
Du kannst sagen:
„Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen aufgeregt, aber ich möchte euch etwas erzählen.“
Oder:
„Ich habe einen Gedanken dazu.“
Oder einfach:
„Ich sehe das etwas anders.“
Mehr brauchst du manchmal nicht.
Der erste Satz ist keine Prüfung.
Er ist nur die Tür.
Du musst nur durchgehen.
Hack Nummer 3: Mach Pausen, bevor dein Körper sie für dich macht
Nervöse Menschen sprechen häufig zu schnell.
Nicht, weil sie grundsätzlich schnell sprechen.
Sondern weil ihr Körper denkt:
„Schnell raus hier.“
Du kannst das bewusst unterbrechen.
Nach einem Satz:
Pause.
Atmen.
Weiter.
Eine Pause wirkt auf dich vielleicht wie eine Ewigkeit.
Für andere ist sie meistens einfach eine normale Pause.
Und wenn du einmal den Faden verlierst?
Dann sag:
„Ich formuliere das noch einmal.“
Oder:
„Der wichtige Punkt ist eigentlich folgender.“
Oder:
„Ich nehme den Gedanken noch einmal von vorne auf.“
Das ist keine Katastrophe. Das ist Kommunikation.
Auch Menschen, die sehr sicher wirken, suchen manchmal nach Worten.
Der Unterschied ist:
Sie interpretieren es nicht sofort als Beweis dafür, dass sie versagt haben.
Hack Nummer 4: Trainiere deine Stimme nicht nur im Kopf
Du kannst zehn Bücher über Kommunikation lesen.
Aber dein Gehirn braucht echte Sprech-Erfahrungen.
Sprich laut. Lies einen Text vor. Nimm deine Stimme am Handy auf.
Erkläre ein Thema, als würdest du es einer anderen Person erklären.
Halte einen Mini-Vortrag vor dem Spiegel oder vor der Kamera.
Nicht, um perfekt auszusehen.
Sondern um dich an dich selbst zu gewöhnen.
Am Anfang hören viele Menschen ihre eigene Stimme und denken:
„Oh Gott, so klinge ich?“
Ja.
Und andere Menschen kennen diese Stimme wahrscheinlich schon die ganze Zeit.
Du musst dich nicht sofort toll finden.
Es reicht, wenn du aufhörst, dich bei jedem kleinen Fehler zu bekämpfen.
Hack Nummer 5: Bau dir eine persönliche Angst-Treppe
Nimm ein Blatt Papier.
Schreibe oben:
„Was möchte ich irgendwann können?“
Zum Beispiel:
„Vor 30 Menschen frei sprechen.“
Dann baust du darunter eine Treppe.
Nicht:
Stufe 1: Alleine sein.
Stufe 2: Vor 30 Menschen sprechen.
Sondern zum Beispiel:
- Laut fünf Minuten mit mir selbst sprechen.
- Meine Stimme aufnehmen.
- Einer vertrauten Person eine Geschichte erzählen.
- Einer fremden Person eine Frage stellen.
- In einer kleinen Gruppe etwas erzählen.
- In einem Meeting eine Frage stellen.
- Drei Minuten vor fünf Menschen sprechen.
- Zehn Minuten vor einer Gruppe sprechen.
- Freier Vortrag vor größerem Publikum.
Du musst nicht auf Stufe zehn springen.
Du brauchst nur die nächste Stufe.
Und du darfst eine Stufe mehrmals machen.
Gute Kommunikation beginnt nicht mit Reden, sondern mit Zuhören
Ein überraschender Weg zu mehr Sicherheit ist:
Du musst nicht immer interessant sein. Sei interessiert.
Stell Fragen. Hör zu. Greife etwas auf, das dein Gegenüber gesagt hat.
Zum Beispiel:
„Das klingt spannend. Wie bist du dazu gekommen?“
„Was war für dich daran am schwierigsten?“
„Und wie hast du das gelöst?“
Menschen denken beim Small Talk oft:
„Was soll ich nur sagen?“
Versuche stattdessen:
„Was möchte ich verstehen?“
Das verändert die ganze Situation.
Du musst nicht permanent liefern.
Ein Gespräch ist kein Monolog.
Die richtigen Menschen können dein Selbstvertrauen verändern
Nicht jede Übung muss vor den schwierigsten Menschen stattfinden.
Wenn du gerade versuchst, sicherer zu sprechen, beginne nicht unbedingt dort, wo du regelmäßig abgewertet wirst.
Suche Menschen, bei denen Fehler erlaubt sind.
Menschen, die zuhören.
Menschen, die nicht über jedes Wort lachen.
Freunde.
Kolleginnen und Kollegen.
Mentorinnen und Mentoren.
Trainingsgruppen.
Lerngruppen.
Menschen, die dir sagen können:
„Du musst nicht perfekt sein. Sag einfach, was du sagen möchtest.“
Das bedeutet nicht, dass du für immer nur in einer sicheren Blase bleiben sollst.
Aber psychologische Sicherheit kann ein guter Ausgangspunkt sein.
Von dort kannst du dich Schritt für Schritt weiter hinausbewegen.
Der innere Kritiker ist oft lauter als das Publikum
Nach einem Gespräch erinnerst du dich vielleicht an diesen einen Moment.
Das eine Wort.
Den Versprecher.
Die Pause.
Du denkst stundenlang darüber nach.
Aber die andere Person?
Hat es vielleicht nach zehn Sekunden vergessen.
Hier hilft eine einfache Frage:
„Würde ich mit einem guten Freund genauso sprechen, wie ich gerade mit mir spreche?“
Wahrscheinlich nicht.
Du würdest vielleicht sagen:
„Du warst halt nervös.“
„Ist doch nicht schlimm.“
„Du hast dich trotzdem getraut.“
„Beim nächsten Mal wird es leichter.“
Versuche, genau diese Sprache auch mit dir selbst zu verwenden.
Nicht künstlich positiv.
Sondern fair.
Schlaf und Erholung sind keine Nebensache
Wer dauerhaft erschöpft ist, reagiert oft empfindlicher auf Stress.
Ein übermüdeter Körper hat weniger Reserven.
Deshalb gehört zur Vorbereitung auf ein wichtiges Gespräch nicht nur:
Was sage ich?
Sondern auch:
Wie geht es mir eigentlich?
Vor einem wichtigen Auftritt hilft es vielen Menschen, die Grundlagen nicht zu vergessen:
- ausreichend schlafen, soweit möglich
- genug trinken und regelmäßig essen
- nicht bis zur letzten Minute vorbereiten
- kleine Pausen einplanen
- Bewegung und weiter weg parken nutzen, um Anspannung abzubauen
- bewusst langsamer ausatmen
Du musst nicht aus jeder Nervosität ein großes Ritual machen.
Aber du kannst deinem Körper zeigen:
„Wir haben Zeit. Wir sind vorbereitet.“
Was du kurz vor einem Auftritt tun kannst
Hier ist ein einfacher Drei-Minuten-Plan.
Minute 1: Körper beruhigen
Atme ruhig ein. Atme etwas länger aus. Wiederhole das einige Male.
Versuche nicht, mit Gewalt „entspannt“ zu werden.
Sage dir eher:
„Mein Körper ist aktiviert. Das darf so sein.“
Minute 2: Fokus verändern
Nicht: „Wie wirke ich?“
Sondern:
„Welche Inhalte möchte ich vermitteln?“
Formuliere deinen wichtigsten Gedanken in einem Satz.
Minute 3: Den ersten Schritt planen
Nicht den ganzen Vortrag.
Nur den Anfang.
Was ist dein erster Satz?
Dann geh los.
Die Zukunft gehört Menschen, die lernen, mit Unsicherheit umzugehen.
Menschen, die sagen:
„Ich weiß nicht, wie die anderen reagieren werden und werde trotzdem sprechen.“
Vielleicht wirst du nie jemand sein, der vor einem Auftritt völlig entspannt auf und ab hüpft und denkt: „Los, gebt mir 500 Menschen!“
Musst du auch nicht. Vielleicht bist du eher ruhig.
Vielleicht brauchst du mehr Vorbereitung.
Vielleicht bist du introvertiert. Vielleicht wirst du vor wichtigen Gesprächen immer ein bisschen aufgeregt sein. Das ist okay.
Sicher sprechen bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Sicher sprechen bedeutet, sich selbst auch dann noch zu vertrauen, wenn die Nervosität gerade mit am Tisch sitzt.
Fang heute klein an
Du musst morgen keinen TED-Talk halten.
Du musst heute nur eine Sache tun, die du gestern vielleicht vermieden hättest.
Ein Gespräch.
Eine Frage.
Ein Anruf.
Ein Satz.
Ein „Hallo“.
Ein ehrlicher Gedanke.
Denn jedes Mal, wenn du trotz Nervosität sprichst, sammelst du eine neue Erfahrung.
Und irgendwann verändert sich die Geschichte in deinem Kopf.
Aus:
„Ich kann das nicht.“
wird:
„Ich kann das noch nicht gut.“
Dann:
„Ich werde besser.“
Und irgendwann vielleicht:
„Ich bin immer noch etwas nervös und weiß, was ich tun kann.“
Das ist keine Magie.
Es ist Übung.
Erfahrung.
Geduld.
#WohlbefindenFürMichFürDichFürAlle #Referathalten #MündlichePräsentation
#Lampenfieber #Nervosität #FreiesSprechen #SouveränPräsentieren
Resilienz und Rahmenbedingungen:
mental gesund durch die kommunale Amtsperiode
Der 1. Mai 2026 war für viele Menschen in Bayern ein besonderer Tag: Die neue Amtszeit der kommunalen Gremien hat begonnen. Die allgemeinen Kommunalwahlen fanden am 8. März 2026 statt; die Wahlzeit der neu gewählten Gemeinderäte und Kreistage beträgt grundsätzlich sechs Jahre und beginnt am 1. Mai.
In diesem Jahr sitzen in vielen Städten und Gemeinden auch besonders junge, neu gewählte Mitglieder. Manche sind gerade einmal Anfang zwanzig.
Und für einige von ihnen ist Kommunalpolitik gleichzeitig neu und vertraut.
Vielleicht saßen Mutter oder Vater bereits über mehrere Amtsperioden im Gremium. Vielleicht wurde zu Hause schon immer über Bauprojekte, Haushalte, Schulen oder die letzte Gemeinderatssitzung gesprochen. Vielleicht kennen sie das Rathaus schon seit ihrer Kindheit.
Und jetzt sitzen sie selbst am Ratstisch.
Das ist eine spannende Ausgangssituation.
Denn einerseits bringen junge Gemeinderät:i nnen neue Perspektiven, andere Erfahrungen und vielleicht auch den Mut mit, Fragen zu stellen, die andere längst nicht mehr stellen. Andererseits kann genau diese Situation auch einen besonderen Druck erzeugen.
„Erwarte ich zu viel von mir?“
„Muss ich genauso gut sein wie mein Vater oder meine Mutter?“
„Darf ich eine andere Meinung haben?“
„Was denken die anderen: sehen sie mich als eigenständige Person oder nur als Sohn oder Tochter von …?“
Gerade hier wird ein Gedanke aus der Resilienzforschung besonders wichtig:
Du brauchst nicht alles sofort können und auch nicht den Weg deiner Eltern wiederholen.
Ein Mandat darf wachsen. Erfahrung darf wachsen. Und auch die eigene politische Haltung darf sich entwickeln. Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, mit Anfang zwanzig bereits alles zu wissen. Sie bedeutet, darauf zu vertrauen: „Ich kann lernen. Ich darf Fragen stellen. Ich kann mir Unterstützung holen. Und ich darf meinen eigenen Weg in diesem Amt finden.“
Vielleicht ist genau das eine der schönsten Chancen dieser neuen Generation von Gemeinderät:innen: Sie bringen nicht nur einen bekannten Namen oder kommunalpolitische Erfahrungen aus dem Elternhaus mit. Sie bringen ihre eigene Perspektive mit. Und Resilienz bedeutet auch, diese eigene Perspektive zu bewahren – selbst dann, wenn Erwartungen von außen groß sind. Denn egal, ob jemand mit Mitte 20 zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt wird oder bereits seit vielen Jahren kommunalpolitische Erfahrung mitbringt:
Jetzt, Mitte August, ist das erste Quartal geschafft.
Vielleicht fühlt es sich noch gar nicht nach Routine an.
Neue Sitzungen.
Neue Unterlagen.
Neue Zuständigkeiten.
Neue politische Konstellationen.
Viele Menschen, die etwas von einem erwarten.
Und vielleicht denkst du manchmal:
„Wie soll ich das sechs Jahre lang schaffen?“
Die gute Nachricht:
Du musst nicht sechs Jahre auf einmal schaffen.
Aber du solltest lernen, deine mentale und körperliche Energie so einzuteilen, dass du auch in fünf Jahren noch Lust und Kraft für diese Aufgabe hast.
Kommunalpolitik ist kein Sprint
Gerade am Anfang ist die Motivation oft besonders hoch.
Man möchte etwas bewegen.
Man möchte sich einbringen.
Man möchte zeigen, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat.
Und genau hier liegt eine Gefahr:
Man übernimmt zu viel.
Noch eine Sitzung.
Noch ein Termin.
Noch eine Arbeitsgruppe.
Noch schnell die Unterlagen lesen.
Noch ein Gespräch mit Bürger.
Noch eine Nachricht beantworten.
Und irgendwann wird aus ehrenamtlichem Engagement eine zweite Vollzeitstelle – zumindest gefühlt.
Resilienz bedeutet laut Wissenschaft deshalb nicht:
„Ich halte noch mehr aus.“
Resilienz bedeutet vielmehr:
„Ich gehe so mit meinen Ressourcen um, dass ich langfristig handlungsfähig bleibe.“
Prof. Dr. Jutta Heller beschreibt Resilienz unter anderem über sieben Schlüssel: Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung. Ergänzend nennt sie für die heutige VUKA-Welt Achtsamkeit, Ungewissheitstoleranz und Veränderungsbereitschaft.
Für ein neues kommunales Mandat lassen sich diese Schlüssel erstaunlich praktisch übersetzen.
1. Akzeptanz: Nicht alles liegt in deiner Hand
Du wirst Entscheidungen erleben, die dir nicht gefallen.
Anträge werden abgelehnt.
Mehrheiten verändern sich.
Projekte dauern länger als gedacht.
Und manchmal wird genau das beschlossen, was du eigentlich verhindern wolltest.
Akzeptanz bedeutet nicht, alles gutzuheißen.
Es bedeutet: „Das ist jetzt die Realität. Was kann ich von hier aus gestalten?“
Diese Unterscheidung spart enorm viel Energie.
2. Selbstwirksamkeit: Du musst nicht alles können
Gerade neue Ratsmitglieder können rasch das Gefühl bekommen, sie müssten sofort jedes Thema beherrschen. Haushalt. Baurecht. Verkehr. Schulen. Digitalisierung. Soziales. Personal. Kommunale Finanzen. Nein. Du bist nicht gewählt worden, weil du bereits Expert für alles bist. Du darfst dich einarbeiten. Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, alles alleine zu können. Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass du dich informieren, Unterstützung holen und Schritt für Schritt handlungsfähig werden kannst.
Hier passt auch ein Gedanke des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky. Er fragte sich, warum manche Menschen selbst nach sehr schweren Erfahrungen gesundheitlich relativ stabil bleiben. In einer Untersuchung berichteten 29 Prozent der von ihm befragten Frauen, die den Holocaust überlebt hatten, trotz dieser Erfahrungen von guter Gesundheit. Antonovsky fragte deshalb nicht nur: „Was macht Menschen krank?“, sondern auch: „Was hält Menschen gesund?“ Daraus entwickelte sich sein Konzept der Salutogenese. Ein wichtiger Begriff dabei ist das Kohärenzgefühl. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass Menschen Belastungen besser bewältigen können, wenn ihr Leben für sie verständlich, handhabbar und sinnvoll erscheint.
Auch für ein neues Mandat ist das interessant:
Ich verstehe zunehmend, wie die Dinge funktionieren.
Ich weiß, wen ich fragen kann.
Ich weiß, was ich selbst beeinflussen kann.
Und ich weiß immer besser, warum ich dieses Amt übernommen habe.
Das muss nicht am ersten Tag so sein.
Auch Orientierung darf wachsen.
3. Eigenverantwortung: Kenne deine persönliche Belastungsgrenze
Dieser Punkt ist für kommunale Mandatsträger besonders wichtig.
Frag dich regelmäßig:
- Wie viele Abende pro Woche möchte ich tatsächlich für mein Mandat reservieren?
- Wann ist mein Wochenende frei?
- Wie viel Zeit brauche ich für Familie, Freunde, Sport oder einfach Nichtstun?
- Wann bin ich nicht erreichbar?
Eigenverantwortung bedeutet auch, die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Ein Mandat darf wichtig sein. Es darf aber nicht dein gesamtes Leben werden. Die BAuA zeigt: Stress ist nicht nur eine Frage der persönlichen Einstellung. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn wir über Burnout-Prävention sprechen. Man sollte nicht den Eindruck vermitteln:
„Wenn du nur resilient genug bist, hältst du alles aus.“
Das wäre zu kurz gegriffen.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) betrachtet psychische Gesundheit auch im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen und dem Führungsverhalten. Bei Führungskräften spielen beispielsweise die konkreten Anforderungen und Bedingungen der Arbeit eine wichtige Rolle. Auch die DGUV betont: Psychische Belastung entsteht unter anderem durch Arbeitsinhalte, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, soziale Beziehungen, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung.
Gute Prävention setzt deshalb nicht nur beim Individuum, sondern auch bei den Bedingungen iman.
Das lässt sich auf kommunale Organisationen übertragen:
Nicht jeder Stress lässt sich wegatmen.
Manche Belastungen müssen organisatorisch verändert werden.
Besonders wichtig: Dein Mandat braucht Erholung
Wer ständig im politischen Modus bleibt, kommt irgendwann nicht mehr richtig heraus.
Auch nach der Sitzung läuft die Diskussion im Kopf weiter.
„Hätte ich das anders formulieren sollen?“
„Warum hat die Fraktion so abgestimmt?“
„Was wird jetzt über mich gedacht?“
„Was passiert bei der nächsten Sitzung?“
Hier können kleine Übergangsrituale helfen.
Nach einer langen Sitzung:
Nicht sofort wieder ins nächste Thema springen.
Ein Spaziergang.
Ein paar Minuten Meditation.
Eine Runde Fahrrad.
Duschen.
Musik.
Kochen.
Sport.
Oder einfach zehn Minuten draußen sitzen.
Das Ziel:
Der Kopf bekommt ein Signal: Die Sitzung ist vorbei.
Netzwerkorientierung: Gemeinsam geht´s leichter
Ein weiterer Resilienzschlüssel nach Heller ist die Netzwerkorientierung: belastbare Beziehungen aufbauen und sich bei Herausforderungen Unterstützung holen.
Gerade neue Mandatsträger sollten sich deshalb bewusst ein Netzwerk aufbauen.
Menschen, mit denen du fachlich sprechen kannst.
Menschen, die schon länger im Gemeinderat oder Stadtrat sind.
Menschen außerhalb der Politik.
Freund und Familie.
Und vielleicht auch eine Person, bei der du einfach sagen kannst:
„Heute war es richtig viel.“
Ohne dass daraus sofort eine politische Diskussion werden muss.
Die Bedeutung solcher Beziehungen findet sich auch in der Resilienzforschung. Emmy Werner und Ruth Smith begleiteten in der Kauai-Längsschnittstudie Menschen über viele Jahre. Dabei zeigten sich unter anderem unterstützende Beziehungen zu verlässlichen Familienmitgliedern und anderen fürsorglichen Erwachsenen als wichtige Schutzfaktoren.
Das muss kein riesiges Netzwerk sein.
Vielleicht gibt es eine Person, bei der du weißt:
„Die steht hinter mir.“
Und noch etwas ist wichtig:
Du musst dich nicht mit jedem Menschen gleich gut verstehen.
Das ist gerade in der Kommunalpolitik wichtig.
Du wirst Menschen begegnen, mit denen du wunderbar zusammenarbeiten kannst.
Menschen, deren politische Positionen du völlig anders siehst.
Menschen, die dich mögen.
Menschen, die dich kritisch sehen.
Und Menschen, mit denen die Zusammenarbeit einfach schwierig bleibt.
Resilienz bedeutet nicht, mit allen gut auszukommen.
Und sie bedeutet auch nicht, jeden Konflikt auflösen zu müssen.
Es reicht, wenn du einige verlässliche Beziehungen hast, die dir Halt geben.
Du darfst politisch streiten und menschlich respektvoll bleiben.
Du darfst anderer Meinung sein.
Du darfst Grenzen setzen.
Und du darfst akzeptieren, dass nicht jede Beziehung eng, harmonisch oder persönlich werden wird.
Doch einige sollten gut genug sein, um dich durch die Amtsperiode zu tragen.
Lösungsorientierung statt Dauerempörung
Kommunalpolitik kann emotional sein.
Man sieht ein Problem.
Man ärgert sich.
Man diskutiert.
Man findet den Fehler.
Man findet noch einen Fehler.
Und irgendwann ist die gesamte Energie im Problem gebunden.
Lösungsorientierung bedeutet:
Was können wir konkret beeinflussen?
Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Wer kann dabei helfen?
Das heißt nicht, Probleme kleinzureden.
Es bedeutet, die eigene Energie wieder auf Handlungsmöglichkeiten zu richten.
Und dann gibt es noch einen Faktor, den man 2026 nicht unterschätzen sollte: digitale Belastung
Kommunalpolitiker sind heute nicht nur in Sitzungen sichtbar.
Sie sind in sozialen Netzwerken.
In Messenger-Gruppen.
In Kommentaren.
In E-Mails.
In Bürgerforen.
Und manchmal auch Ziel von aggressiver Kommunikation oder Desinformation.
Bayern hat deshalb 2026 gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden ausdrücklich die Resilienz gegen Desinformation als Thema aufgegriffen.
Hier braucht es ebenfalls Grenzen.
Du musst nicht auf jede Nachricht reagieren.
Du musst nicht jeden Kommentar lesen.
Du musst nicht jede Kritik persönlich beantworten.
Und vor allem:
Nicht jede digitale Provokation verdient deine Lebensenergie.
Stress verstehen statt nur aushalten
Hier passt der Ansatz von Gert Kaluza sehr gut.
Kaluza unterscheidet beim Stressgeschehen zwischen äußeren Stressoren, persönlichen Stressverstärkern und der Stressreaktion. Damit gibt es mehrere Ansatzpunkte: Wir können Anforderungen verändern, unsere eigenen Bewertungen überprüfen und für ausreichend Erholung sorgen.
Das klingt zunächst wissenschaftlich. Im Alltag kann es aber ganz einfach sein:
Die nächste Gemeinderatssitzung ist tatsächlich stressig.
Aber vielleicht kommt noch ein Gedanke dazu:
„Ich muss alles gelesen haben.“
„Ich darf keine Frage stellen, die jemand für dumm hält.“
„Ich muss auf jede Nachricht sofort reagieren.“
„Ich darf mir nichts anmerken lassen.“
Und irgendwann reagiert auch der Körper:
Schlechter Schlaf.
Anspannung.
Gereiztheit.
Erschöpfung.
Wenn wir genauer hinschauen, können wir an verschiedenen Stellen etwas verändern.
Vielleicht die Arbeitsorganisation besser gestalten.
Vielleicht den eigenen Anspruch überprüfen.
Vielleicht Unterstützung bzw. nach der Sitzung einfach Abstand.
Auch Kaluza macht deutlich: Stressbewältigung besteht nicht nur aus Entspannung. Zu seinem Ansatz gehören unter anderem der Umgang mit Anforderungen, der Umgang mit eigenen Einstellungen und Bewertungen sowie Erholung und Regeneration.
Was die DGUV für gesundes Arbeiten empfiehlt
Die DGUV macht einen wichtigen Unterschied zwischen Verhältnisprävention und Verhaltensprävention. Das bedeutet vereinfacht:
Nicht nur die einzelne Person soll lernen, besser mit Stress umzugehen.
Auch die Bedingungen im System müssen möglichst gesund gestaltet werden.
Bei Burnout-Prävention nennt die DGUV deshalb sowohl die Verbesserung von Arbeitsbedingungen als auch Maßnahmen wie Training, Coaching oder Supervision.
Übertragen auf kommunale Gremien heißt das:
Nicht nur fragen:
„Wie werde ich stressresistenter?“
Sondern auch:
„Wie organisieren wir im System unsere politische Arbeit gesund?“
Zum Beispiel:
- realistische Terminplanung mit klaren Sitzungsende.
- klare Zuständigkeiten und Vertretungsregelung.
- ausreichend Vorbereitungszeit.
- respektvolle Sitzungs- und Gesprächskultur.
- vernünftiger Umgang mit Erreichbarkeit.
- klare Grenzen bei aggressiver Kommunikation.
- Austausch und Unterstützung.
- Nachbesprechung belastender Situationen.
- bewusste Pausen und Erholungszeiten.
Verhältnisprävention bedeutet also: Wir schauen nicht nur auf den Menschen, sondern auch auf die Bedingungen im Sysstem, unter denen Menschen arbeiten und sich engagieren.
Für Bürgermeister, Gemeinderäte und Führungskräfte gilt besonders: Vorbild sein
Wenn du selbst ständig sagst:
- „Dafür habe ich keine Zeit.“
- „Ich muss das noch schnell erledigen.“
- „Urlaub kann ich mir gerade nicht leisten.“
dann lernen andere Menschen daraus.
Gesunde Führung beginnt deshalb auch mit dem eigenen Verhalten.
Die BAuA verweist auf den Zusammenhang zwischen Führung und psychischer Gesundheit. Führungskräfte beeinflussen nicht nur ihre eigene Situation, sondern auch die Bedingungen, unter denen andere arbeiten. Das gilt auch in kommunalen Einrichtungen.
Wer Gesundheit erwartet, sollte Erholung nicht als mangelndes Engagement interpretieren.
Deine sechs Jahre brauchen einen Rhythmus
Vielleicht hilft dir dieses Bild:
Jahr 1: Ankommen
Lernen. Verstehen. Beziehungen aufbauen.
Jahr 2: Gestalten
Eigene Themen entwickeln und Verantwortung übernehmen.
Jahr 3: Stabilisieren
Was funktioniert? Was muss verändert werden?
Jahr 4: Durchhalten
Nicht jede Energie in jedes Thema stecken.
Jahr 5: Bilanzieren
Was wurde erreicht? Was ist noch offen?
Jahr 6: Entscheiden
Was möchtest du weiterführen – und was darf enden?
Du musst nicht im ersten Jahr alles beweisen.
Du hast sechs Jahre Zeit.
Mein Resilienz-Check für dein erstes Quartal
Nimm dir 10 Minuten und beantworte diese sieben Fragen:
- Was gibt mir Energie in meinem Mandat?
- Was kostet mich unverhältnismäßig viel Energie?
- Welche Aufgaben muss ich wirklich selbst übernehmen?
- Wo brauche ich mehr Unterstützung oder Informationen?
- Welche Grenzen möchte ich für meine Erreichbarkeit setzen?
- Wer gehört zu meinem persönlichen Unterstützungsnetzwerk?
- Was möchte ich in fünf Jahren noch mit Freude machen können?
Die letzte Frage ist vielleicht die wichtigste.
Denn Resilienz bedeutet nicht, bis zum Ende durchzuhalten.
Resilienz bedeutet, die eigene Kraft so einzusetzen, dass man auch langfristig handlungsfähig bleibt.
Und vielleicht ist jetzt im August genau der richtige Zeitpunkt für eine Pause:
Das erste Quartal ist geschafft.
Du musst nicht sofort das nächste Quartal optimieren.
Vielleicht gehst du heute einfach eine Runde spazieren.
Ohne Podcast.
Ohne Telefon.
Ohne politische Nachrichten.
Oder du setzt dich zehn Minuten hin und meditierst.
Atme.
Lass die Sitzung los.
Lass die Diskussion los.
Lass die To-do-Liste für einen Moment los.
Du bist nicht nur Mandatsträger.
Du bist auch Mensch.
Und genau das solltest du dir für die kommenden mehr als fünf Jahre deiner Amtszeit bewahren.
Resilienz für Kommunalpolitik & öffentlichen Dienst
Genau hier setze ich mit meinen Workshops und Kursen zu Resilienz, Stressbewältigung und mentaler Gesundheit an. Für neu gewählte Gemeinderäte und Stadträte, Bürgermeister, Nachwuchskräfte, Führungskräfte und Mitarbeitende in kommunalen Einrichtungen. Dabei verbinde ich psychologisches Wissen mit konkreten Strategien für den Alltag: Stress erkennen. Grenzen setzen. Selbstwirksamkeit stärken. Konflikte bewältigen. Abschalten lernen. Ressourcen aktivieren. Und manchmal gehört dazu auch: raus aus dem Sitzungssaal – rein in die Bewegung. Walk & Talk, Achtsamkeit, Meditation, Natur und praktische Resilienzübungen können dabei sinnvoll miteinander verbunden werden. Denn eine sechsjährige Amtszeit sollte kein Dauerstressprojekt werden.
Sie darf eine Zeit sein, in der du etwas bewegst – ohne dich dabei selbst zu verlieren.
Hinweis: Resilienztraining kann Prävention und persönliche Ressourcen stärken, ersetzt aber keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung bei einer psychischen Erkrankung oder anhaltender erheblicher Erschöpfung.
#Beratung #mit_kerstin_unterwegs #mitarbeitergesundheit #Resilienzseminar #Prävention
Dein neurobiologisches Update: Spazieren, Schlendern, Waldbaden & Meditation:
Raus aus dem digitalen Dauerrausch – rein in die eigene Balance.
Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal etwas getan, ohne dabei schon an die nächste Aufgabe zu denken?
Nicht rasch zum nächsten Termin.
Nicht mit dem Handy in der Hand.
Nicht gedanklich schon beim nächsten Meeting.
Sondern einfach gehen, atmen, wahrnehmen und loslassen.
Gerade im Berufsalltag ist das nicht selbstverständlich.
Nachwuchskräfte müssen sich in neue Aufgaben einfinden, Verantwortung übernehmen und zeigen, was sie können. Führungskräfte stehen gleichzeitig unter dem Druck, Entscheidungen zu treffen, Mitarbeitende zu begleiten und viele Anforderungen gleichzeitig im Blick zu behalten.
Ob im Rathaus, im Regierungspräsidium oder in einem anderen öffentlichen Bereich:
Menschen brauchen Räume, in denen sie für einen Moment nicht funktionieren müssen.
Sie brauchen Zeit zum Durchatmen.
Stress bedeutet nicht nur „viel zu tun“
Stress entsteht nicht allein durch die Anzahl der Aufgaben.
Auch ständige Erreichbarkeit, Unterbrechungen, Konflikte, hohe Verantwortung, schwierige Gespräche und der eigene Anspruch, immer funktionieren zu müssen, können unser Stresssystem dauerhaft fordern. Oft nehmen wir diese Belastung erst wahr, wenn wir bereits erschöpft sind.
Deshalb ist es sinnvoll, nicht erst dann gegenzusteuern, wenn der Akku leer ist.
Resilienz beginnt auch mit der Fähigkeit, rechtzeitig loszulassen.
Spazieren und Schlendern: Bewegung ohne Leistungsdruck
Nicht jeder braucht ein klassisches Waldbad.
Manchmal reicht ein Spaziergang.
Oder noch besser:
Schlendern.
Denn beim Schlendern geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zu schaffen. Es geht darum, das Tempo herauszunehmen und wieder bewusster wahrzunehmen.
Der Weg wird nicht zum nächsten Ziel.
Der Weg selbst wird zur Pause.
Ein gemeinsamer Spaziergang kann außerdem eine angenehme Alternative zum klassischen Gespräch am Schreibtisch sein.
Beim Walk & Talk entsteht Bewegung, frische Luft und gleichzeitig Raum für Austausch und Reflexion.
Waldbaden: Raus aus dem Kopf, rein in die Wahrnehmung
Der grüne Wald und generell die Natur bietet eine Umgebung voller natürlicher Reize:
Blätterrascheln.
Licht und Schatten.
Vogelstimmen.
Waldgeruch. Terpene.
Der Boden unter den Füßen.
Diese Reize können unsere Aufmerksamkeit auf eine andere Weise beschäftigen als Bildschirm, E-Mail und Besprechung. Beim Waldbaden geht es deshalb nicht darum, möglichst weit zu laufen. Es geht darum,
wahrzunehmen, zu entschleunigen und den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen.
Meditation: Gedanken nicht lösen, sondern loslassen
Auch Meditation kann dabei helfen, Abstand zum Alltagsstress zu gewinnen.
Dabei geht es nicht darum, den Kopf komplett leer zu bekommen.
Meditation bedeutet vielmehr, Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen sofort folgen zu müssen. Ein Gedanke kommt. Ein Gedanke geht. Die To-do-Liste erscheint.
Und dann darf die Aufmerksamkeit wieder zurückkommen:
zum Atem.
zum Körper.
zum Moment.
Schon wenige Minuten bewusster Atem- oder Achtsamkeitsmeditation können eine kleine Unterbrechung im hektischen Alltag schaffen.
Loslassen heißt nicht: Alles ist egal
Loslassen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben.
Es bedeutet, für einen Moment nicht alles kontrollieren und lösen zu müssen.
Gerade Menschen mit hoher Eigenverantwortung tun sich damit manchmal schwer.
„Ich muss noch …“
„Das muss heute fertig werden.“
„Ich darf nichts vergessen.“
Meditation, Bewegung und Natur können helfen, diese permanente innere Aufgabenliste für einen Moment zu unterbrechen. Nicht um weniger engagiert zu sein.
Sondern um anschließend wieder
klarer und bewusster handeln zu können.
Für Nachwuchstalente genauso wie für Führungskräfte
Stressbewältigung und Resilienz sind keine Themen, die nur Berufseinsteiger betreffen.
Auch Führungskräfte brauchen Strategien, um mit Verantwortung, Zeitdruck und komplexen Situationen umzugehen. Deshalb können gemeinsame Formate besonders interessant sein:
Nachwuchskraft und Führungskraft gehen gemeinsam eine Runde.
Ein Team erlebt eine kurze Meditation.
Eine Gruppe reflektiert bei einem Spaziergang ihre aktuellen Belastungen.
Oder ein Workshop verbindet psychologisches Wissen mit Bewegung und Natur.
So entsteht ein anderer Zugang zu Themen wie Stress, Selbstfürsorge, Kommunikation und Resilienz. Und manchmal entsteht dabei auch etwas, das im klassischen Besprechungsraum schwerer möglich ist:
echter Austausch.
Resilienz braucht nicht immer einen Seminarraum
Meine Angebote zu Stressbewältigung und Resilienz können deshalb ganz unterschiedlich gestaltet werden:
Resilienz-Workshops
Stress verstehen, persönliche Ressourcen erkennen und konkrete Strategien für den Berufsalltag entwickeln.
Stressbewältigung
Warnsignale erkennen, Stress regulieren und Methoden kennenlernen, die sich auch im Arbeitsalltag umsetzen lassen.
Walk & Talk
Reflexion und Austausch in Bewegung – draußen, unkompliziert und mit Abstand zum klassischen Seminarraum.
Waldbaden
Achtsamkeit, Wahrnehmung, Bewegung und Natur als Zugang zu Regeneration und mentaler Erholung.
Meditation & Achtsamkeit
Atemübungen, kurze Meditationen und Methoden wie z.B. Malen zum bewussten Unterbrechen von Stress und Gedankenkreisen.
Diese Formate eignen sich für
Nachwuchskräfte und Führungskräfte – im Rathaus, im Regierungspräsidium, in Behörden und anderen Organisationen.
Denn Stress macht keinen Unterschied zwischen Hierarchieebenen.
Und Resilienz geht uns alle an.
Mein Geschenk zum Urlaubseinstieg: Sommerlicher Wildkräuter-Salat
Und weil eine bewusste Auszeit nicht nur im Wald, sondern auch am Tisch beginnen darf, gibt es zum Abschluss ein kleines Sommerrezept. Leicht, frisch, bunt und perfekt für einen entspannten Start in den bayerischen Sommerurlaub.
Sommerlicher Wildkräuter-Salat mit essbaren Blüten & Honig-Senf-Dressing
Für 4 Personen
Basis:
- 100 g Wildkräutersalat, z. B. Giersch, junge Brennnessel, Schafgarbe oder eine Wildkräutermischung
- 1 Gurke
- 200 g Kirschtomaten
- 1 Apfel
- 50 g geröstete Walnüsse
Topping:
- 50 g Feta oder Ziegenkäse
- eine Handvoll essbare Blüten, z. B. Ringelblume, Kapuzinerkresse oder Kornblume
Für das Dressing:
- 3 EL Olivenöl
- 1 EL Honig
- 1 EL mittelscharfer Senf
- 2 EL Apfelessig
- Salz & Pfeffer
Zubereitung
- Wildkräuter waschen und gut trocken schleudern. Gurke, Tomaten und Apfel klein schneiden.
- Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten, bis sie duften.
- Für das Dressing Olivenöl, Honig, Senf und Apfelessig kräftig verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Alles vorsichtig miteinander vermengen, Feta darüberbröseln und zum Schluss die essbaren Blüten darauf verteilen.
Mein psychologischer Tipp: Mindful Eating
Mach aus dem Essen nicht gleich den nächsten Programmpunkt.
Setz dich hin.
Leg das Handy weg.
Schmecke die pfeffrige Note der Kapuzinerkresse. Spüre den Crunch der Walnüsse. Nimm die Süße des Apfels wahr.
Mindful Eating bedeutet, eine Mahlzeit bewusst wahrzunehmen, statt sie nebenbei zu erledigen.
Vielleicht ist das genau der richtige Übergang in den Urlaub:
weniger funktionieren – mehr wahrnehmen.
Mein Impuls für deine nächste Auszeit
Geh 20 Minuten nach draußen.
Nicht, um Sport zu machen.
Nicht, um Schritte zu sammeln.
Nicht, um ein Problem zu lösen.
Geh einfach.
Atme bewusst.
Schau dich um.
Lass Gedanken kommen und wieder gehen.
Und wenn du magst, bleib zwischendurch stehen.
Vielleicht stellst du dir nur eine Frage:
„Was darf ich für heute loslassen?“
Denn manchmal beginnt Stressbewältigung nicht mit einer weiteren Methode.
Sondern damit, für einen Moment nichts leisten zu müssen.
Und manchmal beginnt Urlaub genau dort.
Resilienz-Strategien mit der 3-Wochen-Challenge meistern
Prüfungsstress, Überforderung und die Angst zu versagen können die mentale Sicherheit erheblich beeinflussen. Gerade in anspruchsvollen Ausbildungs- und Studienphasen helfen mehrere Faktoren dabei, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben:
- die bewusste Strukturierung von Lern- und Prüfungssituationen
- der kritische Blick auf eigene Denkmuster, Gewohnheiten und Vermeidungsverhalten
- realistische Ziele und kleine, erreichbare Schritte
- ein guter Wechsel zwischen Anspannung, Übung und Erholung
- die Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen und Hilfe einzufordern.
Resilienz bedeutet dabei nicht, Stress oder Unsicherheit vollständig zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben, Rückschläge einzuordnen und den nächsten sinnvollen Schritt zu finden.
Gerade drei Wochen vor einer Prüfung kann eine klare Struktur dabei helfen, aus „Ich schaffe das nie“ wieder ein „Ich weiß, was ich als Nächstes tun kann“ zu machen.
Eigene Lern- und Stressgewohnheiten prüfen und hinterfragen
Wichtig ist zunächst ein ehrlicher Blick auf die eigenen Lern- und Verhaltensgewohnheiten. Wer unter Prüfungsstress steht, reagiert nicht selten mit Aufschieben, übermäßigem Lernen, ständigem Wechsel zwischen Aufgaben oder dem Vermeiden schwieriger Themen.
Auch Gedanken wie „Ich muss alles können“, „Ich bin viel zu spät dran“ oder „Wenn ich die Prüfung nicht schaffe, ist alles vorbei“ können zusätzlichen Druck erzeugen. Mit bloßem Mehr-Lernen lassen sich solche Muster nicht immer verändern. Hilfreicher ist es, die eigenen Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und an den entscheidenden Punkten anzusetzen. Aus „Ich muss alles schaffen“ kann beispielsweise werden:
„Was ist der nächste konkrete Schritt?“
Wer seine Lernzeit realistisch plant und Aufgaben in überschaubare Einheiten aufteilt, gewinnt häufig wieder mehr Kontrolle über die Situation.
Die 3-Wochen-Challenge bewusst planen
Eine Prüfung in drei Wochen kann zunächst überwältigend wirken. Eine zeitliche Begrenzung kann aber auch hilfreich sein, wenn sie genutzt wird, um einen realistischen Plan zu entwickeln.
Woche 1: Überblick schaffen
In der ersten Woche geht es darum, den Prüfungsstoff zu strukturieren und eigene Wissenslücken zu erkennen.
Hilfreich ist beispielsweise:
- Prüfungsstoff in Themen aufteilen
- jedes Thema einordnen: Kann ich / Unsicher / Muss ich üben
- pro Tag maximal drei konkrete Lernziele festlegen
- mit kurzen, konzentrierten Lerneinheiten beginnen
- am Ende des Tages festhalten, was tatsächlich geschafft wurde
So wird aus einem großen Berg an Lernstoff eine Reihe überschaubarer Aufgaben.
Woche 2: Wissen aktiv abrufen
In der zweiten Woche sollte nicht mehr ausschließlich gelesen und farbig markiert werden. Entscheidend ist, ob Inhalte tatsächlich aus dem Gedächtnis abgerufen und angewendet werden können.
Dazu eignen sich:
- alte Prüfungsfragen
- eigene Zusammenfassungen aus dem Kopf
- mündliches Erklären von Fachinhalten anderen gegenüber
- Lernkarten
- kleine Prüfungssimulationen
- gezielte Wiederholung von Fehlern und Unsicherheiten
Fehler sind dabei keine Beweise für mangelnde Leistung. Sie zeigen, wo noch Übung notwendig ist.
Woche 3: Sicherheit statt Panik
In der letzten Woche sollte der Schwerpunkt auf dem Festigen liegen. Es ist wenig hilfreich, kurz vor der Prüfung noch möglichst viele neue Inhalte aufzunehmen.
Stattdessen geht es um:
- Schwachstellen wiederholen
- wichtige Begriffe und Zusammenhänge festigen
- Fehlerlisten durcharbeiten
- eine letzte Prüfungssimulation durchführen
- Lernumfang gegen Ende reduzieren
- ausreichend schlafen und Pausen einplanen
Die letzte Woche dient der Sicherheit – nicht dem Paniklernen.
Lernen und Erholung bewusst miteinander verbinden
Resilienz entsteht nicht allein durch Leistung. Wer dauerhaft unter hoher Anspannung steht, benötigt ebenso Phasen der Erholung. Gerade in den Sommermonaten können Lernzeiten an die persönliche Leistungsfähigkeit und die äußeren Bedingungen angepasst werden. Schwierige Aufgaben lassen sich beispielsweise in den kühleren Morgenstunden bearbeiten. Auch Freizeit sollte bewusst eingeplant werden.
Ein Beispiel:
08:00–09:30 Uhr: Prüfungsvorbereitung
ab 10:00 Uhr: Freizeit, Freunde, See oder Urlaub
So wird Erholung nicht zum schlechten Gewissen, sondern zu einem festen Bestandteil der Prüfungsvorbereitung. Auch Schlaf spielt eine wichtige Rolle. Wer regelmäßig zu wenig schläft, erhöht seine Anfälligkeit für Stress und Nervosität. Ausreichende Ruhe und kleine Erholungsphasen helfen dabei, die eigenen Ressourcen zu erhalten.
Kleine Herausforderungen bewusst suchen
Wer sich bei Überforderung vollständig zurückzieht, erlebt kurzfristig häufig Erleichterung. Langfristig kann Vermeidung jedoch dazu führen, dass Unsicherheit und Selbstzweifel weiter zunehmen. Deshalb kann es hilfreich sein, sich täglich einer kleinen Herausforderung zu stellen.
Zum Beispiel:
- eine Prüfungsfrage laut beantworten
- einen schwierigen Lerninhalt jemand anderem erklären
- eine Aufgabe unter Zeitdruck mit Wecker bearbeiten
- eine Frage im Unterricht stellen
- mit anderen gemeinsam lernen
- eine kurze Prüfungssimulation durchführen
Dabei geht es nicht darum, sich jeden Tag maximal zu belasten.
Entscheidend ist die schrittweise Erweiterung der eigenen Handlungssicherheit.
Unterstützung bewusst annehmen
Resilienz bedeutet nicht, alles alleine schaffen zu müssen.
Ein unterstützendes Umfeld kann gerade in belastenden Ausbildungs- und Prüfungsphasen eine wichtige Ressource sein. Dazu gehören beispielsweise Ausbilder:innen, Lehrkräfte, Kolleg:innen, Freund:innen oder Lerngruppen.
Hilfreich sind klare Fragen wie:
„Was fällt mir gerade schwer?“
„Wo brauche ich Unterstützung?“
„Wer kann mir dabei helfen?“
Auch Ausbilder:innen können einen wichtigen Beitrag leisten. Statt zusätzlichen psychischen Druck aufzubauen, kann es sinnvoller sein, gemeinsam Prioritäten zu setzen, Lernfortschritte sichtbar zu machen und nach konkreten Herausforderungen zu fragen.
Den eigenen Umgang mit Fehlern verändern
Ein wichtiger Bestandteil von Resilienz ist der Umgang mit Rückschlägen.
Eine nicht gelöste Prüfungsfrage bedeutet nicht: „Ich kann das nicht.“ Sondern zunächst:
„Das kann ich noch nicht sicher genug.“ Diese kleine Veränderung der Perspektive kann helfen, Fehler als Information zu nutzen. Wer Fehler analysiert, statt sich dafür abzuwerten, kann gezielter weiterlernen und entwickelt langfristig mehr Selbstvertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.
Resilienz im Alltag entwickeln
Resilienz entsteht nicht erst am Tag vor der Prüfung. Sie entwickelt sich durch viele kleine Erfahrungen im Alltag. Wer regelmäßig Verantwortung übernimmt, Herausforderungen annimmt, Hilfe sucht, Fehler reflektiert und eigene Erfolge wahrnimmt, stärkt seine Fähigkeit, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Die drei Wochen vor einer Prüfung können deshalb mehr sein als eine reine Lernphase. Sie können eine Gelegenheit sein, den eigenen Umgang mit Stress, Druck und Herausforderungen bewusst zu trainieren.
Was Lena am Prüfungstag mitnimmt
Lena sitzt am Prüfungstag vor dem Prüfungsraum. Natürlich ist sie nervös.
Aber sie weiß inzwischen:
„Ich muss nicht alles auf einmal lösen.“
„Ich darf nervös sein.“
„Ich beginne mit dem, was ich kann.“
„Wenn etwas nicht funktioniert, gehe ich zum nächsten Schritt.“
Das ist Resilienz. Nicht keine Angst zu haben. Nicht immer perfekt zu funktionieren.
Sondern
trotz Stress handlungsfähig zu bleiben, Rückschläge einzuordnen und immer wieder den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Lena aus ihrer Ausbildung für die Abschlussprüfung und darüber hinaus mitnimmt.
Lead, Listen, Learn: die ersten Tage in der neuen Rolle meistern
Gemeinderat, Stadtrat, Bürgermeisterin oder neu als dualer Student bzw. Azubi in neuer Rolle – die ersten 100 Tage in der Kommunalpolitik fühlen sich oft an wie der Sprung in ein neues Universum. Neue Gesichter, neue Aufgaben, neue Erwartungen – und gleichzeitig ein enormes Bedürfnis nach Orientierung und Wirkung.
Die allgemeine Psychologie zeigt:
Die erste Phase einer neuen Rolle prägt den späteren Erfolg entscheidend. Menschen nutzen die ersten Wochen, um zu prüfen:
Wer bist du? Wofür stehst du? Kann ich dir vertrauen? Um das greifbarer zu machen, begleite ich dich heute mit einem Protagonisten:
Lerne Jonas kennen – frisch gewählter Gemeinderat
Jonas, 31, wurde vor wenigen Wochen in den Gemeinderat gewählt. Hochmotiviert, engagiert, voller Ideen. Doch schnell merkt er:
- Sitzungen laufen anders, als er es erwartet hatte.
- Alte politische Routinen sind hartnäckig.
- Die Menschen im Ort beobachten jeden Schritt.
- Alle wollen etwas – aber selten das Gleiche.
Die nächsten 100 Tage entscheiden, ob Jonas als ernstzunehmender Player wahrgenommen wird oder als „Der Neue, der noch reinwachsen muss“.
1. Lead – Führe durch Haltung (nicht durch Lautstärke)
Was es psychologisch bedeutet
In der Rollenpsychologie nennt man die ersten Wochen die Orientierungsphase. Andere bilden sich eine erste, oft dauerhafte Meinung. Nicht durch Reden, sondern durch dein Verhalten.
Was Jonas lernt
Egal ob im Gemeinderat, Stadtrat oder als Bürgermeisterin – die Rolle verändert die eigene Wirkung:
- Gemeinderat: Du bist Teil eines großen Teams. Führung zeigt sich durch konstruktive Beiträge.
- Stadtrat: Höherer Erwartungsdruck, mehr Öffentlichkeit, komplexere Themen.
- Bürgermeisterin: Du bist die Exekutive – deine Worte schaffen Realität.
Gemeinsamkeit: Authentizität ist der entscheidende Vertrauensfaktor.
Unterschied: Die Reichweite deiner Entscheidungen variiert – vom lokalen Ausschuss bis zur ganzen Stadt.
Jonas’ Takeaway
Er merkt: Wenn er ruhig, klar und lösungsorientiert bleibt, steigt seine Glaubwürdigkeit rascher als durch lange Wortmeldungen.
2. Listen – Höre zu, bevor du veränderst
Psychologischer Hintergrund
Menschen akzeptieren Veränderungen leichter, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Sicht gehört wurde. Das nennt sich in der Organisationspsychologie psychologische Partizipation.
Was Jonas erlebt
Er führt Gespräche mit:
- Kolleg:innen im Rat
- Verwaltungsmitarbeiter:innen
- Bürgerinnen und Bürgern
- Vereinen
- Unternehmen im Ort
Und überall hört er Sätze wie: „Gut, dass Sie zuhören. Viele kommen erstmal mit einer fertigen Agenda.“
Gemeinden vs. Städte vs. Bürgermeisteramt
- Gemeinde: Nähe ist extrem wichtig. Man kennt sich persönlich.
- Stadt: Vielfalt der Interessen steigt – Zuhören bedeutet Struktur & Nähe.
- Bürgermeisterin: Du bist die wichtigste Resonanzfläche – Zuhören ist politische Führungsarbeit.
Jonas’ Aha-Moment
Er merkt: Wer zuhört, erfährt die eigentlich wichtigen Probleme – die, die nie in Sitzungsvorlagen stehen.
3. Learn – Lerne das System, bevor du es veränderst
Psychologischer Hintergrund
Unser Gehirn arbeitet nach dem Prinzip: „Zuerst Verstehen – dann Bewerten.“
Neue Amtsträger:innen scheitern selten an mangelndem Willen, sondern an Systemblindheit.
Was Jonas entdeckt
Die Kommunalpolitik ist ein eigenes Ökosystem:
- formale Regeln (GO, Ausschüsse, Satzungen)
- informelle Regeln (Wer entscheidet wirklich was?)
- sichtbare Strukturen (Sitzungen)
- unsichtbare Prozesse (Abstimmungen, Arbeitskreise, Gremienkultur)
Gemeinsamkeiten:
Alle politischen Ebenen bestehen aus Menschen – mit Ängsten, Zielen, Motiven.
Unterschiede:
- In der Gemeinde zählt direkter Kontakt.
- In der Stadt zählt Systemkompetenz.
- Für Bürgermeisterinnen zählt beides – plus Verwaltungskompetenz.
Jonas’ Lernkurve
Er versteht: Wer das System kennt, findet Wege, wirksam zu werden.
Wer das System nicht kennt, scheitert an Erwartungen, die niemand ausspricht.
Fazit: Die ersten 100 Tage entscheiden über Vertrauen, Wirksamkeit und Zusammenarbeit.
Lead – zeig Haltung. Listen – hör zu. Learn – versteh das System.
Kommunalpolitik ist die unmittelbarste Form der Demokratie. Menschen sehen, was du tust – und was du lässt. Wie Jonas wirst du merken: Die ersten 100 Tage sind keine Prüfung. Sie sind die Einladung, gemeinsam Zukunft zu gestalten.
Neu im Amt: Bürgermeister:in ohne Verwaltungshintergrund
In Bayern werden bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 in nahezu allen 2.056 Städten und Gemeinden die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie circa 35.000 Stadt- und Gemeinderäte neu gewählt. Das erfordert für neue Mandatsträger:innen sich auf die konstituierende Sitzung vorzubereiten und die Geschäftsordnung neu zu gestalten. Auftrittskompetenz, mit Worten auf den Punkt kommen, ohne überheblich zu wirken und zu ermüden, ermöglicht einen kooperativen und wertschätzenden Dialog mit der Verwaltung und der Bürgerschaft.
Welche Führungsmodelle 2026 besonders relevant sind
Aktuelle Führungsforschung zeigt deutlich: Wirksame Führung im öffentlichen Sektor entsteht heute weniger durch Hierarchie als durch Beziehung, Sinn und Kommunikation. Für neu gewählte Bürgermeister:innen sind insbesondere folgende Modelle relevant:
1. Servant Leadership – Führen durch Dienen
Robert K. Greenleaf (1970), weiterentwickelt u. a. von Eva et al. (2019)
Servant Leadership stellt nicht Macht, sondern Unterstützung, Zuhören und Verantwortungsübernahme für andere in den Mittelpunkt. Führungskräfte schaffen Bedingungen, unter denen Mitarbeitende ihre Kompetenz entfalten können.
➡️ Besonders passend für Kommunen, da Verwaltung auf Stabilität, Fachlichkeit und Vertrauen basiert – nicht auf kurzfristigen Machtdemonstrationen.
2. Laterale Führung – Einfluss ohne Weisungsbefugnis
Jochims & Seidl (2004), ergänzt durch Kühl (2015)
Laterale Führung beschreibt Führung ohne formale Autorität, über Kommunikation, Beziehungsgestaltung und gemeinsame Ziele. Sie ist zentral, wenn Fachwissen bei den Mitarbeitenden liegt – wie in Verwaltungen üblich.
➡️ Für Bürgermeister:innen ohne Verwaltungshintergrund ein Schlüsselkonzept, um Akzeptanz und Wirksamkeit zu gewinnen.
3. Transformational Leadership – Orientierung und Sinn geben
Bass & Avolio (1994)
Transformational führende Personen vermitteln Vision, Sinn und Werte, motivieren über Haltung statt Anweisung und fördern Engagement durch Vorbildwirkung.
➡️ Relevant für politische Führung, da Bürger:innen und Mitarbeitende Orientierung erwarten – besonders in Zeiten von Veränderung, Fachkräftemangel und gesellschaftlicher Polarisierung.
4. Psychologische Sicherheit – Grundlage moderner Zusammenarbeit
Amy C. Edmondson (1999, 2018)
Teams arbeiten besser, wenn Menschen sich trauen, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen und unterschiedliche Perspektiven einzubringen – ohne Angst vor Gesichtsverlust.
➡️ In Kommunalverwaltungen entscheidend, um Innovation, Bürgerbeteiligung, Lernbereitschaft und Austausch im Dialog zu ermöglichen.
Einordnung für neue Bürgermeister:innen
Gerade wenn Sie keinen Verwaltungshintergrund haben, ist laterale Führung im Sinne von Servant und Transformational Leadership entscheidend: Führen über Vertrauen, Kommunikation, Beziehung und Orientierung – nicht über Detailwissen oder Machtworte. Forschung zeigt: Führung wirkt dann nachhaltig, wenn Auftrittskompetenz, klare Sprache und menschliche Haltung zusammenkommen (Bass & Riggio, 2006; Edmondson, 2018).
Präsentieren darf sich gut anfühlen
Wann hattest du das letzte Mal ein gutes Gefühl bei einer Präsentation?
Nicht „es ging schon“, sondern das innere Gefühl:
"Wow, ich war präsent und es hat sich richtig gut angefühlt."
Wenn Präsentieren heute anstrengend wirkt, liegt das selten am Können.
Unser Nervensystem ist nicht für Daueranspruch, ständige Sichtbarkeit und permanenten Druck gemacht. In solchen Momenten reagiert unsere Körpersprache: Die Stimme wird dünner, die Gedanken schneller, die Hände gestikulieren wild, die Beine zappeln, die Mimik wird blass, die Verbindung zu sich selbst geht verloren. Das ist kein persönliches Versagen. Oft fehlt schlicht Übung - sowohl im Sprechen selbst als auch im bewussten Einsatz von Sprache auf Slides und Körperbewusstsein. Wer weiß, wie Verben, Adjektive und Satzstrukturen auf Power Point oder Canva wirken, kann Inhalte so formulieren, dass andere gern zuhören, statt Zuhörende zu ermüden. Präsenz und Auftrittskompezenz entsteht dort, wo sich Inneres und Äußeres stimmig zeigen und verbaler Wortschatz und Sprachwitz auf den Punkt gesprochen werden.
Und doch kennen wir sie alle: Menschen, die einen Raum betreten und sofort präsent, klar und glaubwürdig sind. Eins vorweg: Das sind keine Naturtalente, sondern Menschen, die gelernt haben, mit ihrer Körpersprache, Kleidung und ihrer Stimme zu arbeiten.
Wirkung entsteht nicht über Nacht von heute auf morgen auf der Bühne.
Sie beginnt mit innerem Wollen. Wenn Körper, Stimme und inneres Mindset zusammenarbeiten und ausreichend trainiert sind, fühlt sich Präsentieren plötzlich stimmig an.
Das lässt sich lernen – Schritt für Schritt und praxisnah. In meinen Kursen am Bildungszentrum Nürnberg, beim BKB Bayern oder auch direkt in deinem Unternehmen als Einzel- oder Teamcoaching arbeite ich mit realen Situationen aus deinem Berufsalltag.
Wir üben nicht „ins Blaue hinein“, sondern mit euren eigenen Texten, Themen und Herausforderungen. Wenn du zum Beispiel als introvertierte Persönlichkeit z.B. als Stadtplanerin regelmäßig mit Architekten sprichst, ist es sinnvoll, mit dem Fachvokabular deines Arbeitsfeldes zu arbeiten und konkrete Inhalte zum Auftrittstraining zur Stärkung deiner Sprechkompetenz mitzubringen. So entsteht Sprech- und Auftrittssicherheit dort, wo du sie wirklich brauchst ... im echten Arbeitskontext.
Storytelling überzeugt: Wie du Teams inspirierst und als Role Model wirkst
Stell dir vor, dein Team hängt an jedem deiner Worte. Du erklärst ein komplexes Projekt – und plötzlich verstehen alle sofort, worum es geht, fühlen sich motiviert und handeln eigenständig. Das ist die Kraft von Storytelling, richtig eingesetzt.
Wenn du lernst, Geschichten strategisch zu nutzen, wirst du nicht nur besser verstanden, sondern auch als Role Model für dein Team und dein Unternehmen sichtbar, und du stärkst dein Marketing-Mindset als Zukunftskompetenz.
Warum Storytelling wirkt
Unser Gehirn liebt Geschichten:
- Emotionen aktivieren das Belohnungssystem – Aufmerksamkeit und Motivation steigen.
- Spiegelneuronen erzeugen Identifikation – dein Team fühlt deine Botschaft, noch bevor sie rational verstanden wird.
- Komplexe Inhalte werden leichter verarbeitet – kognitive Leichtigkeit entsteht.
Strategien für wirksames Storytelling
- Psychologische Wirkung nutzen
- Kombiniere Emotion + Struktur → Aufmerksamkeit & Verständnis
- Alltagsbeispiele oder Unternehmen machen Inhalte greifbar
Rollenvorbilder einsetzen
- Zeige, wie du Entscheidungen triffst & Verantwortung übernimmst
- Teams orientieren sich an dir und übernehmen Eigeninitiative
Storytelling für Marketing-Mindset
- Emotion + Strategie → nachhaltige Kundenbindung
- Geschichten als Werkzeug für Unternehmenswachstum und Zukunftskompetenz
Handlungstrigger einbauen
- Jede Story sollte die Leser:innen oder Teammitglieder motivieren, konkrete Schritte zu gehen
Warum es sich lohnt
- Teams motivieren & Entscheidungen positiv beeinflussen
- Role Model für Leadership & Unternehmensentwicklung
- Marketing-Mindset: Storytelling als strategisches Werkzeug für nachhaltigen Erfolg
- Unternehmenserhalt sichern: Klare Kommunikation + Teamidentifikation.
Notice, Navigate, Nurture: Menschen durch Veränderungen begleiten
Ein Storytelling-Beitrag aus der Welt der Organisationsentwicklung
Prolog: Die Stadt, die sich verändern musste
Stell dir eine kleine Stadt vor – nennen wir sie
Stabilia.
In Stabilia läuft alles wie immer: Die Brunnen plätschern, die Marktstände stehen seit Jahren an denselben Plätzen, und die Menschen kennen ihren Tagesablauf im Schlaf. Die Stadt war nicht perfekt, aber vorhersehbar. Und diese Vorhersehbarkeit gab Sicherheit.
Eines Tages kündigt der Stadtrat an:
„Wir wollen modern werden. Neue Wege. Neues Denken. Neue Strukturen.“
Und plötzlich beginnt die Ruhe von Stabilia zu vibrieren.
Die alten Muster funktionieren nicht mehr.
Die Brunnen sollen automatisiert werden.
Die Marktstände wandern an neue Plätze.
Und manche Einwohner fühlen sich, als würde ihnen der Boden unter den Füßen entzogen.
Genau hier setzt das
Zwei-Phasen-Modell des Wandels an.
Das Zwei-Phasen-Modell: Stabilität → Veränderung
In der Organisationsentwicklung sprechen wir oft von zwei Grundphasen:
1. Phase: Stabilität
Hier herrscht Routine. Muster wiederholen sich. Rollen sind klar.
Menschen fühlen sich sicher, weil sie wissen:
- wie der Tag läuft
- was erwartet wird
- was belohnt wird
- wie Erfolg aussieht
Stabilität ist nicht langweilig – sie ist ein psychologisches Grundbedürfnis.
2. Phase: Veränderung
Veränderung heißt nicht nur neu – Veränderung heißt auch ungewiss.
Wenn Strukturen, Prozesse oder Erwartungen sich verschieben, verlassen Menschen die Komfortzone. Das Gehirn reagiert darauf wie auf Gefahr:
Es sucht Halt. Es schützt. Es bremst.
Und oft sind die Reaktionen sehr menschlich:
- „Was, wenn ich das nicht kann?“
- „Warum reicht das Alte nicht mehr?“
- „Werde ich danach noch gebraucht?“
- „Warum sagt mir niemand, wohin die Reise geht?“
Warum es uns so schwer fällt – 3 psychologische Gründe
1. Verlust von Kontrolle
In Stabilia kennen alle den Weg zum Markt.
In der Veränderung wird der Plan neu gezeichnet.
Das erzeugt Unsicherheit und Widerstand.
2. Identitätsfragen
Menschen definieren sich über ihre Rollen.
Wenn die Rolle sich verändert, verändert sich oft das Selbstbild.
3. Emotionale Überforderung
Wandel ist kognitiv erklärbar, aber emotional schwer nachvollziehbar.
Rational: „Das macht Sinn.“
Emotional: „Ich will das nicht.“
Die Protagonisten der Veränderung
In jeder Organisation – und in Stabilia – gibt es typische Rollen:
1. Die Pioniere (ca. 10–15%)
Sie sagen: „Endlich! Das wurde Zeit.“
Sie rennen schon los, während andere noch überlegen.
2. Die Möglichmacher (ca. 50–60%)
Sie beobachten.
Sie prüfen.
Sie wollen verstehen.
Wenn sie Sicherheit spüren, gehen sie mit.
3. Die Bewahrer (ca. 20–30%)
Sie halten fest – oft aus Loyalität zum Bewährten.
Sie schützen, was funktioniert hat.
Sie sind keine Blockierer, sondern Wächter der Werte.
4. Die Verlorenen (manchmal 5–10%)
Sie finden keinen Platz im neuen System – weil ihnen Orientierung, Training oder Zugehörigkeit fehlt.
Und jetzt: Was Chefs wirklich tun können
Gute LeaderInnen wissen:
Change ist weniger ein Prozess als ein Narrativ.
Menschen folgen Geschichten – nicht PowerPoints.
Hier sind fünf Leadership-Hebel, die nachweislich wirken:
1. Orientierung geben: die neue Landkarte zeichnen
Menschen brauchen ein Warum, ein Wohin und ein Wie.
Ohne Klarheit entsteht Gerüchtekultur.
Story-Leader:innen fragen:
„Was wird besser, wenn wir das gemeinsam schaffen?“
2. Emotionen ansprechen statt ignorieren
Change scheitert selten am Wissen – fast immer an Gefühlen.
Schwierige Gefühle sind nicht das Problem, sondern der Kompass.
LeaderInnen sagen:
„Ich verstehe, dass es sich unsicher anfühlt. Lass uns zusammen schauen, was du brauchst.“
3. Menschen beteiligen statt belehren
Beteiligung verwandelt Widerstand in Verantwortung.
Wer mitgestaltet, kämpft nicht dagegen.
Frage eines guten Leaders:
„Was brauchst du, damit dieser Schritt für dich machbar wird?“
4. Kompetenzen stärken
Viele Widerstände sind Überforderungsreaktionen.
Schulung, Coaching und Lernerlebnisse helfen enorm.
Regel:
Je größer der Wandel, desto größer der Lernraum.
5. Erfolgsgeschichten erzählen
Storytelling ist kein Marketing – es ist ein psychologisches Werkzeug.
Wenn Menschen kleine Erfolge sehen, glauben sie an den großen Wandel.
In Stabilia hieße das:
„Der neue Brunnen spart Wasser – und funktioniert! Das ist unser erster Schritt.“
Schluss: Die neue Stadt
Nach Wochen und Monaten hat Stabilia sich verändert.
Nicht weil jemand Druck gemacht hat.
Sondern, weil LeaderInnen verstanden haben:
- Wandel ist menschlich
- Widerstand ist ein Bedürfnis
- Klarheit und Zugehörigkeit sind stärker als Angst.
Die Brunnen plätschern noch – nur anders.
Die Marktstände stehen an neuen Orten – sie sind lebendiger.
Und die Menschen spüren:
Diese Veränderung ist auch unsere Geschichte.
Prepare, Present, Participate: kandidieren und Einfluss nehmen
Wie werde ich Gremiumsmitglied? Was sind dann meine Aufgaben? Sich diese Fragen vorab zu stellen, erleichtert die Ansprache möglicher neuer Kandidat:innen. Denn wer weiß,
was auf ihn oder sie zukommt, kann bewusster entscheiden – und mit echter Motivation einsteigen.
Transparenz über
Rollen, Verantwortlichkeiten und Mitgestaltungsmöglichkeiten
schafft Vertrauen und senkt die Hürde, sich einzubringen. Wichtig ist, dass Interessierte z.B. anhand einer Checkliste oder Videobotschaft eines erfahrenen Ratsmitglieds frühzeitig erfahren & mehrmals anhören/durchlesen:
- welche Themen das Gremium bearbeitet,
- welche Kompetenzen gefragt sind,
- wie Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden,
- und welche Unterstützung, Mentoring bzw. Einarbeitung sie erwarten können.
So entsteht nicht nur ein realistisches Bild der Aufgabe, sondern auch ein Gefühl von Wertschätzung und Zugehörigkeit, noch bevor jemand offiziell Teil des Teams ist. Gremienarbeit lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen – und von Strukturen, die sie dazu befähigen. Wenn Motivation, Klarheit und ein wertschätzendes Willkommen zusammenkommen, entsteht Engagement, das trägt – weit über die Amtszeit hinaus.
Lead, Listen, Leverage: Kommunales Leadership, Begegnung und Gesten
Studien zeigen: Persönliche Gespräche an der Haustür können die Wahlbeteiligung um
2 bis 8 Prozentpunkte steigern – ein beachtlicher Effekt, gerade bei Kommunalwahlen mit traditionell niedriger Beteiligung (Gerber, Green & Nickerson, 1999; Green & Gerber, 2019).
Doch der Haustürwahlkampf ist weit mehr als Stimmenmaximierung. Er verkörpert „connective leadership“ (Lipman-Blumen, 1996) – Führung, die auf Vertrauen, Authentizität und Dialogfähigkeit basiert. Menschen folgen nicht nur Programmen, sondern Persönlichkeiten, die zuhören, auf Augenhöhe kommunizieren und situativ führen (Antonakis & Day, 2018).
Dabei entscheidet nicht allein was gesagt wird, sondern wie. Stimme, Körpersprache, Gestik, Mimik, Blickkontakt, Haltung und selbst Details wie Frisur oder Kleidung beeinflussen unbewusst die Wahrnehmung von Kompetenz, Nahbarkeit und Glaubwürdigkeit. Untersuchungen zeigen, dass nonverbale Signale bis zu 80 % des ersten Eindrucks prägen (Burgoon, Guerrero & Floyd, 2016). Wer im persönlichen Gespräch authentisch wirkt – mit klarer Stimme, offener Körperhaltung und einem Gesichtsausdruck, der Interesse und Zugewandtheit signalisiert – baut schneller Vertrauen auf und schafft Resonanz. So wird politische Kommunikation im direkten Kontakt zum Beziehungsangebot: menschlich, nahbar und wirkungsvoll.
Giveaways als Vertrauensbrücke:
Kleine Gesten wie Flyer, Postkarten oder symbolische Giveaways stärken diesen Resonanzraum. Sie signalisieren: „Ich habe an dich gedacht, ich respektiere deine Zeit und Meinung.“ Giveaways wirken dabei wie
soziale Schmiermittel: Sie erleichtern den Einstieg ins Gespräch, schaffen Erinnerungspunkte und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das persönliche Gespräch positiv nachwirkt.
Praxisbeispiel:
- Ein individuell gestalteter Flyer, der Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aufgreift, kann Gesprächsanfänge erleichtern.
- Kleine, nützliche Goodies – z. B. Notizblöcke oder Schlüsselanhänger mit Logo – dienen weniger der Werbewirkung, sondern als symbolische Wertschätzung.
- Das wichtigste bleibt das Gespräch selbst: Zuhören, Rückfragen, echte Begegnung.
Gerade im kommunalen Kontext ist Macht nicht das Durchsetzen eigener Interessen, sondern
das Gestalten gemeinsamer Anliegen. Wer an der Tür klopft, zeigt: „Ich bin bereit, zuzuhören, zu lernen und Verantwortung zu teilen.“
Fazit:
Haustürwahlkampf ist gelebte politische Achtsamkeit.
Strategie und Menschlichkeit gehen Hand in Hand, Giveaways unterstützen den Dialog, doch die echte Wirkung entsteht durch Begegnung und Vertrauen. Technologie kann Kommunikation verstärken, ersetzen kann sie den menschlichen Kontakt nicht.
„Technologie wird immer stärker zur Mitgestalterin unserer Kognition, Identität und Kultur – und fordert uns heraus, unser Menschsein neu zu definieren.“
Notice, Name, Navigate:
Lampenfieber verstehen und souverän auftreten
Kennst du das Gefühl, wenn der Herzschlag schneller wird, die Hände feucht werden und du am liebsten im Boden versinken würdest – kurz bevor du eine Präsentation halten, ein wichtiges Gespräch führen oder vor Kolleg:innen auftreten musst? Das ist Lampenfieber. Und das ist menschlich und völlig normal.
Ein wirksamer Ansatz, um damit umzugehen, ist das
Modell des Inneren Teams. Entwickelt von Friedemann Schulz von Thun, zeigt es, dass in uns verschiedene „Anteile“ leben – quasi kleine innere Stimmen, die unterschiedliche Rollen einnehmen:
- Der Kritiker warnt dich, dass etwas schieflaufen könnte.
- Der Perfektionist will alles richtig machen.
- Der Mutige drängt dich, die Chance zu nutzen.
- Der Selbstzweifelnde flüstert, dass du nicht gut genug bist.
Wenn diese Stimmen laut durcheinander reden, spürst du Unsicherheit, Nervosität und Lampenfieber.
So nutzt du dein Inneres Team für souveränes Auftreten
- Erkenne deine inneren Stimmen
Notiere, welche inneren Anteile vor wichtigen Aufgaben auftauchen. Beobachte sie ohne zu bewerten. - Ordne die Rollen
Überlege, welche Stimmen hilfreich sind und welche übermäßig bremsen. - Dialog mit deinem Team
Sprich innerlich mit den Anteilen. Sage dem Kritiker: „Danke für deinen Hinweis, ich habe das gut vorbereitet.“ Dem Mutigen: „Jetzt ist deine Zeit, loszugehen.“ - Ressourcen aktivieren
Konzentriere dich auf die positiven Stimmen, die dich unterstützen – Mut, Kompetenz, Erfahrung – und nutze sie bewusst. - Übung macht den Unterschied
Probiere vor der Prüfung, Präsentation oder Rede das Rollenspiel mit deinem Inneren Team. Beobachte, wie die Stimmen sich beruhigen, wenn sie gehört und in den Arm genommen werden.
Praxis-Tipp für Auszubildende & Nachwuchsführungskräfte
- Mach dir vor jedem Gespräch oder Vortrag eine kleine Notiz: Welche inneren Stimmen spüre ich gerade? Wie kann ich sie positiv lenken, etwa durch tiefe Bauchatmung vor und während deiner Präsentation?
- Übe kurze tiefe Atemübungen oder kleine Pausen zwischen den Abschnitten, um die Stimmen zu „sortieren“.
- Visualisiere dein inneres Team als Freunde, die dich unterstützen.
- Übe mit deinem eigenen Textmaterial. Sprich während dem Spaziergang, auf Toiletten, während der Dusche. Das schenkt dir Sicherheit deines Redebeitrages.
- Und im Vortrag: blicke eine vertraute Person bzw. nimm eine vertraute Person als deinen persönlichen Fanclub mit. Falls das nicht möglich sein sollte, blicke auf die freundlichste Person im Raum und suche immer wieder den Blickkontakt. Das schenkt dir zusätzlich Textsicherheit & Motivation.
💡 Merksatz: Dein Inneres Team ist keine Schwäche, sondern dein Verbündeter. Wer lernt, die inneren Stimmen zu erkennen und bewusst zu steuern, kann Lampenfieber in positive Energie und Souveränität verwandeln.
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Observe, Organize, Orchestrate: Die „Konferenz der Tiere“
- Der Elefant stampft, weil er alles im Blick behalten will.
- Die Maus piekst vorsichtig, weil sie sich überhört fühlt.
- Der Löwe brüllt, weil er glaubt, alles alleine regeln zu müssen.
- Das scheue Reh hält sich zurück, weil es Harmonie wahren möchte.
- Die Giraffe blickt von oben herab und verliert manchmal den Kontakt zum Team.
Und genau darin spiegelt sich das, was jedes Team kennt: Unterschiedliche Temperamente, Kommunikationsstile und Bedürfnisse prallen aufeinander – oft mit den besten Absichten. Doch erst wenn alle Tiere an einem Tisch sitzen, sich zuhören und verstehen, warum der andere so handelt, entsteht Zusammenarbeit, die trägt. Teamarbeit heißt nicht, gleich zu sein – sondern sich gegenseitig zu ergänzen. Wie bei Kästner sind es am Ende Empathie, Dialog und gemeinsames Zielbewusstsein, die aus vielen Stimmen ein Ganzes machen. Denn Wirkung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Verbindung – nicht durch Konkurrenz, sondern durch Kooperation.
Wie Team-Konflikte entstehen – einfach erklärt
1. Ursachen:
- Unterschiedliche Bedürfnisse: Elefant will Sicherheit, Maus will Gehör, Löwe will Effizienz.
- Unterschiedliche Wahrnehmung: Jeder sieht die Lage aus seiner Perspektive.
- Kommunikationslücken: Was nicht gesagt wird, wird oft interpretiert – und das führt zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen.
2. Problem:
Wenn die Tiere nicht reden, entstehen kleine Spannungen, die wachsen: Elefant tritt auf die Maus, Löwe schnauzt den Elefanten an – und schon ist aus einem kleinen Missverständnis ein ausgewachsener Konflikt geworden.
3. mögliche Lösung:
- Gemeinsames Gespräch:
Die Tiere setzen sich zusammen, hören einander zu. Jede Perspektive wird gehört – ohne Unterbrechen, ohne Vorwürfe. - Ursachen klären: Warum stampft der Elefant? Warum piekst die Maus? Wer versteht, warum der Löwe brüllt, kann besser reagieren.
- Lösungen suchen: Nicht nur Schuld verteilen, sondern Wege finden, wie jeder sein Ziel erreichen kann, ohne dass andere verletzt werden.
- Absprachen treffen: Wer macht was? Wie kommunizieren wir in Zukunft besser, auch mit Menschen, die besser organisiert sind und vorausschauend handeln für langfristige Sicherheit.
Merksatz:
Team-Konflikte sind wie kleine Stolpersteine auf dem Weg zur gemeinsamen Vision. Wer die Ursache versteht, zuhört und Lösungen gemeinsam entwickelt, kann daraus
Vertrauen, Klarheit und Teamstärke gewinnen.
🐒 Humorvolle Visualisierung:
🐘
Elefant = Standpunkt & Überblick
🐭
Maus = Detailgenauigkeit & Sensibilität
🦁
Löwe = Dringlichkeit & Durchsetzungskraft
🦒
Giraffe = Weitblick & Perspektive
🦌
Reh = Achtsamkeit & Harmoniebedürfnis
💥
Konflikt = eine kleine Explosion auf der Business Bühne – laut, kurz, lehrreich.
🤝
Lösung: Ein Teamfoto mit allen Tieren, die zufrieden nicken – weil sie verstanden haben:
- Unterschiedlichkeit im Team ist eine Stärke, kein Problem.
- Jedes Tier bringt einzigartige Fähigkeiten und Vorlieben ein – die Maus arbeitet zum Beispiel hervorragend mit der Giraffe zusammen.
- Wenn alle Tiere ihre Talente kombinieren, entsteht ein Team, das stark, kreativ und erfolgreich zusammenarbeitet.
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Support, Stimulate, Sustain: Lernen fördern statt Angst erzeugen
Wenn
junge Menschen in die Ausbildung starten, betreten sie oft Neuland: neue Umgebung, neue Erwartungen, neue Rollen. Ob sie dort wachsen oder sich zurückziehen, hängt entscheidend davon ab, wie sicher sie sich fühlen, ihre Gedanken und Fragen zu äußern. Hier setzt das Konzept der
psychologischen Sicherheit
an – ein zentraler Faktor für eine moderne Lern- und Führungskultur.
Was psychologische Sicherheit bedeutet
Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Professorin Amy Edmondson (Harvard Business School) geprägt. Er beschreibt ein Arbeits- und Lernklima, in dem Menschen ohne Angst vor negativen Konsequenzen sagen können, was sie denken – selbst dann, wenn es Fehler, Unsicherheiten oder unkonventionelle Ideen betrifft.
Gerade in der Ausbildung ist das entscheidend:
- VFA-Auszubildende (Verwaltung, Finanzwesen, Assistenz) profitieren besonders von klaren Strukturen, nachvollziehbaren Abläufen und einem Klima, in dem Fragen ausdrücklich erwünscht sind. Transparenz und Wertschätzung geben ihnen Orientierung und Sicherheit.
- Technische Auszubildende brauchen Raum, um Dinge praktisch auszuprobieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Wenn sie erleben, dass Experimente erlaubt sind, entwickeln sie Mut, Eigeninitiative und handwerkliche Exzellenz.
- Kaufmännische Auszubildende wachsen in einer offenen Kommunikationskultur, die Feedback fördert und kreative Lösungen zulässt – ohne Angst vor Kritik. So entstehen Lernprozesse, die Innovation und Selbstvertrauen stärken.
- Beamt:innen im einfachen, mittleren, gehobenen und höheren Dienst profitieren von einer Führung, die klare Erwartungen mit menschlicher Nähe verbindet. Psychologische Sicherheit bedeutet hier, zwischen Regelbewusstsein und Eigenverantwortung Balance zu halten – und den Mut zu fördern, auch innerhalb von Strukturen neue Wege zu denken.
- Studierende wiederum entwickeln psychologische Sicherheit, wenn sie Raum für Selbstorganisation, Austausch und kritisches Denken erhalten. Offene Kommunikation, wertschätzende Lehrkulturen und praxisnahe Lernsettings fördern Eigenverantwortung, intrinsische Motivation und die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen – zentrale Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen.
Psychologische Sicherheit entsteht, wenn Ausbilder:innen eine offene Feedbackkultur fördern, aktiv zuhören und eigene Lernprozesse transparent machen. Sie zeigen: „Fehler sind Lernchancen – und Lernen braucht Mut.“
Positive Psychologie: Stärken in den Mittelpunkt rücken
Die Positive Psychologie, maßgeblich geprägt von Prof. Martin Seligman (University of Pennsylvania), ergänzt dieses Konzept ideal. Sie legt den Fokus auf Stärken, Motivation und Sinn, statt nur auf Defizite.
Praxisbeispiel: Wer Azubis gezielt lobt, was gut funktioniert, stärkt deren Selbstvertrauen und Leistungsbereitschaft. Fehler werden als Entwicklungsimpulse gesehen – nicht als persönliche Niederlage.
Differenzielle Persönlichkeitspsychologie – individuell fördern
Nicht alle Auszubildenden reagieren gleich auf Herausforderungen oder Kritik:
- Introvertierte benötigen Zeit, Zuspruch und Checklisten, um im Team aufzublühen.
- Extrovertierte profitieren von offener Dynamik und Austausch in der Gruppe.
Wenn Ausbilder:innen diese Unterschiede verstehen, können sie Lern- und Kommunikationsstile individuell anpassen – und damit psychologische Sicherheit gezielt fördern.
Fazit: sich sicher fühlen heißt wachsen können
Psychologische Sicherheit ist kein „Soft Skill“, sondern die Grundlage für Lernfreude, Innovationskraft und persönliche Entwicklung – gerade in der Ausbildung. Wo Vertrauen, Wertschätzung und individuelle Förderung zusammenkommen, entsteht ein Klima, in dem junge Menschen ihr Potenzial entfalten können – als Azubi, Ausbilder:in und Teammitglied. Wer sich sicher fühlt, kann wachsen. Wer wachsen darf, entwickelt Stärke. Wer Stärke entwickelt, gestaltet Zukunft.
Observe, Optimize, Own: Wie engagiert ist dein Personal?
Engagement ist seit jeher ein zentraler Indikator für den Unternehmenserfolg – egal, ob Großkonzern, Mittelstand oder kleiner Betrieb. Gerade im Fachkräftemangel zählt es heute mehr denn je: Engagierte Mitarbeitende bleiben loyal, wechseln seltener und treiben den Erfolg aktiv mit.
Warum Engagement wichtig ist
- Loyalität & Bindung: Mitarbeitende bleiben länger.
- Produktivität & Innovation: Motivation steigert Leistung.
- Wettbewerbsvorteil: Fachkräfte bleiben, Talente kommen ins Unternehmen.
- Mitarbeitende als Markenbotschafter: Auf LinkedIn & Instagram präsentieren sie authentisch die Employer Brand und wirken als Influencer für das Unternehmen.
Herausforderungen
- Engagement hat sich in vielen Unternehmen in den letzten 10 Jahren nicht ausreichend verbessert.
- Führungskräfte erkennen Engagement als Kennzahl, haben aber oft keine klare Strategie, wie es gesteigert werden kann.
Der Weg in die Zukunft
Positioniere Dein Unternehmen als Top-Arbeitgeber – mit einer attraktiven Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Maßnahmen, die Engagement steigern:
- Vertrauen schenken – Verantwortung übertragen
- Regelmäßiges Feedback & Wertschätzung
- Entwicklungsmöglichkeiten & Mentoring
- Work-Life-Balance fördern
- Team- und Unternehmenskultur stärken
- Mitarbeitende einbinden: Sichtbarkeit auf LinkedIn & Instagram stärken, so dass sie als Influencer für die Employer Brand wirken
Ergebnis:
Vertrauen, gute Rahmenbedingungen und aktive Mitarbeitende verbessern die Employee Experience, fördern Engagement und stärken die Loyalität zum Unternehmen.
Impuls für Führungskräfte:
Möchtest Du Dein Team motivieren, Engagement fördern und gleichzeitig Burnout präventiv vorbeugen? Dann schau Dir meine Workshops und Einzelcoachings an – für Resilienz, Kommunikation und wertschätzende Zusammenarbeit.
Weitere Infos auf LinkedIn Kerstin Zeise | LinkedIn & Instagram: (1) Instagram
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Assess, Align, Act: Personality–Job Fit und Mitarbeiterbindung
Die Studie belegt, wie Persönlichkeit und Beruf zusammenwirken – und bietet konkrete Ansätze für Recruiting, Bindung und Berufsberatung.
Untersuchte Fragestellung: Wie beeinflusst die Passung zwischen individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und typischen Berufsprofilen den langfristigen beruflichen Verbleib und Wechsel?
Inhalte/Trends: Laut der Langzeitstudie „Personality–Job Fit and Turnover“ der Universität Mannheim wählen Menschen häufig Berufe, in denen andere mit ähnlichen Persönlichkeitsmerkmalen arbeiten. Dazu analysierten die Forschenden auf Basis der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale – Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität – Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Berufsgruppen. Persönlichkeitsprofile ähneln sich innerhalb einzelner Berufsgruppen deutlich stärker als zwischen verschiedenen Berufen. So zeigen beispielsweise Ärzte und Pharmakologen oft vergleichbare Persönlichkeitsmuster – ein Hinweis darauf, dass es für viele Berufe typische Persönlichkeitsstrukturen gibt. Die Studie belegt außerdem, dass große Persönlichkeitsunterschiede im direkten Arbeitsumfeld ein klarer Risikofaktor für berufliche Instabilität sind. Wer sich im Vergleich zu den anderen im Team deutlich unterscheidet, etwa durch weniger Extraversion in einem kommunikationsintensiven Beruf, wechselt den Beruf mit höherer Wahrscheinlichkeit – unabhängig von Branche, Qualifikation oder Alter. Ein weiteres Ergebnis ist die wechselseitige Prägung von Beruf und Persönlichkeit: Mit zunehmender Berufserfahrung passen sich Persönlichkeitsmerkmale tendenziell den typischen Anforderungen des jeweiligen Berufsfeldes an – etwa durch soziale Normen oder rollenbedingte Erwartungen. Die Studie zeigt zudem, dass Berufswahl nicht nur von Fähigkeiten oder Interessen bestimmt wird, sondern auch stark durch die eigene Persönlichkeitsstruktur beeinflusst ist. Menschen entscheiden sich bevorzugt für Berufe, die mit ihrer Persönlichkeit übereinstimmen – und meiden langfristig solche, die nicht zu ihnen passen. Eine hohe Übereinstimmung zwischen Persönlichkeit und Berufsprofil fördert nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die berufliche Stabilität und langfristige Bindung.
Geltungsbereich: Langzeitdatenanalyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels mit bis zu 11.000 Personen über einen Zeitraum von zwölf Jahren (2005–2017).
Fazit für die Praxis: Die Langzeitstudie „Personality–Job Fit and Turnover“ belegt eindrucksvoll, dass die Passung zwischen Persönlichkeit und Berufsprofil entscheidend für langfristige Zufriedenheit, Stabilität und Bindung ist.
- Berufswahl folgt der Persönlichkeit:
Menschen entscheiden sich bevorzugt für Berufe, in denen die typischen Persönlichkeitsmerkmale der Berufsgruppe zu ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur passen. - Teamkompatibilität ist zentral:
Große Unterschiede zwischen Persönlichkeit des Einzelnen und dem Team erhöhen das Risiko für berufliche Instabilität und Jobwechsel. - Beruf und Persönlichkeit beeinflussen sich gegenseitig:
Mit zunehmender Erfahrung passen sich Menschen tendenziell den Anforderungen und Normen ihres Berufsfeldes an. - Praxisimplikationen:
- Recruiting: Achte auf Persönlichkeit-Kompetenz-Passung, nicht nur auf Qualifikation.
- Mitarbeiterbindung: Fördere Rollen und Aufgaben, die zu Persönlichkeitsprofilen passen, und schaffe Teams, in denen sich Unterschiede produktiv ergänzen.
- Berufsberatung: Persönlichkeitsbasierte Empfehlungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit langfristiger Zufriedenheit und Stabilität.
💡 Take-away: Wer die Persönlichkeit bei Berufswahl, Teambesetzung und Entwicklung berücksichtigt, steigert nicht nur Engagement und Motivation, sondern auch langfristige Bindung und Erfolg – sowohl für Mitarbeitende als auch für Organisationen.
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